Happy Pills
Paolo Woods
Das Fotofestival Lenzburg zeigt internationale Arbeiten zum Thema Happyness. Dabei rückt die Schattenseite der modernen Lebensmaxime in den Fokus. Spielerisch, subversiv und sinnlich.
Glück ist inzwischen eine Vollzeitbeschäftigung. Es steckt morgens im Matcha, mittags im Schrittzähler und abends in Pushnachrichten, die fragen, ob wir heute schon genug Selfcare praktiziert haben. Wer glücklich ist, hat offenbar alles richtig gemacht. Wer es nicht ist, hat vermutlich einfach noch nicht die richtige App, die richtige Morgenroutine gefunden. Was wenn die Sehnsucht nach einem guten, glücklichen Leben inzwischen selbst wie ein Wettbewerb organisiert ist? Liegt vielleicht genau darin die Erschöpfung unserer Gegenwart?
Das Fotofestival Lenzburg greift dieses Thema unter dem Titel «Forever Happy» auf und verwandelt vom bis zum 7. Juni Lenzburg, Aarau und erstmals auch Baden in einen Parcours durch die politischen, absurden, zärtlichen und dunklen Seiten des Glücks. Zeitgenössische Fotografie trifft dabei auf Schaufenster, Bahnhöfe, Museen und historische Gebäude, als würde sich die Frage nach dem guten Leben absichtlich nicht dort stellen lassen, wo alles schon kuratiert und glatt ist. Die Ausstellungen zeigen Glück nicht als Zielzustand, sondern als widersprüchliche Bewegung: zwischen Konsum und Körper, Erinnerung und Begehren, Optimierung und Kontrollverlust. Mal poetisch, mal satirisch, mal schmerzhaft präzise.
Besonders eindringlich wirkt dabei das Langzeitprojekt «Happy Pills» des kanadisch-niederländischen Fotografen Paolo Woods, das im Stapferhaus in Lenzburg zu sehen ist. Gemeinsam mit dem Schweizer Journalisten Arnaud Robert reiste Woods über Jahre durch Apotheken, Kliniken und Schlafzimmer rund um den Globus und dokumentierte eine Welt, in der Glück chemisch stabilisiert werden soll. Antidepressiva, Viagra, Ritalin, Schlafmittel: kleine Versprechen in glänzenden Verpackungen. Die Bilder erzählen nicht von individueller Schwäche, sondern von einer Gesellschaft, die Funktionieren mit Lebensqualität verwechselt hat. «Happy Pills» zeigt Menschen, die schlafen, leisten, lächeln, durchhalten sollen – möglichst ohne Reibung. Und plötzlich wirkt die Frage des Festivals nicht mehr harmlos, sondern radikal: Was passiert mit uns, wenn Glück zur Pflicht wird?
For the leisure of working insects: ski slope
Alba Ruiz Lafuente
Single Image Snapshots of Happiness
Sara Camporesi Merabilia