... sagt mir, was ich will.
Die «Zeit», über die ich in meiner letzten AAKU-Kolumne geschrieben habe, scheint nicht nur mich zu beschäftigen. In Zuschriften und Gesprächen ging es um den Sinn und die richtige Zeit für Veränderungen. Nicht nur eine ganz persönliche, sondern auch eine philosophische und gesellschaftspolitische Frage …
«Das Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du auch immer willst, was du tust», schrieb der russische Schriftsteller Tolstoi vor rund 150 Jahren. Doch wer oder was sagt mir, was ich will?
Gehirnforscher gehen davon aus, dass wir rund 20 000 Mal pro Tag – mehr oder weniger bewusst – die Wahl haben und entscheiden müssen. Zum Glück laufen bis zu 90 Prozent unserer täglichen Entscheidungen sozusagen per Autopilot. Sie basieren meist auf Faustregeln, Erfahrung und Intuition. So folgen viele Entscheidungen einfachen, uns jedoch im Detail nicht bewussten, sozialen Strategien: Wir wählen, was wir kennen, vermeiden Konflikte, folgen dem Rat anderer und entscheiden uns für das, was uns den meisten Nutzen bringt. Würden wir bei jeder Entscheidung erst einmal Argumente sammeln, gegeneinander abwägen und bis zur letzten Konsequenz durchdenken, wären wir mit dem Kauf einer Zahnpastatube ein paar Tage beschäftigt.
Mit Social Media und speziell der Künstlchen Intelligenz (KI) kommt noch eine weitere Dimension hinzu: Algorithmen und Filterblasen manipulieren, indem sie uns nur bestimmte Informationen zuspielen. KI liefert fleissig ab, und das in einem Höllentempo. Geht es so weiter, sagt mir wohl bald KI, was ich will, und die Tech-Giganten reiben bzw. waschen sich im Hintergrund die Hände – nein, nicht in Unschuld!
Regula Laux, Medienpädagogin, Laufenburg,
Stiftungsrat Pro Argovia, Mitglied des AGKV-Vorstands