Postkarte «Schloss Habsburg. Stammschloss des österreichischen Kaiserhauses », 1909. Papier, bedruckt, 9 cm × 13,7 cm. Schweizer Postkarten- Exporthaus, C. Dierkes, Basel, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-23347.
Schloss Habsburg über den Rebbergen, darüber ein zart kolorierter Himmel. Die Mauern scheinen für die Ewigkeit gebaut. Auf der Rückseite der Postkarte von 1909 stehen wenige handschriftliche Worte. Ein Gruss, für einen Augenblick bestimmt. Dass wir die Karte heute umdrehen können, bringt zwei sehr verschiedene Arten von Dauer zusammen. Eine Burg braucht Fundamente, starke Mauern, Menschen, die sie erhalten. Was braucht eine Freundschaft? Vielleicht zunächst jemanden, der an den anderen denkt. Und dann die kleine Disziplin, diesem Gedanken eine Handlung folgen zu lassen: eine Karte auswählen, Worte finden, eine Adresse schreiben, den Gruss auf den Weg bringen. Darin liegt eine stille Hingabe. Man räumt einem Menschen Zeit ein, obwohl er gerade nicht da ist. Man gibt die Nachricht aus der Hand und hat Geduld mit der Entfernung. Ob die Karte aufbewahrt wird, weiss man nicht. Aber die Geste hat ihren Wert schon darin, dass man sie macht.
Vorne die Burg, deren Mauern Jahrhunderte überstehen sollen. Hinten eine Handschrift, die sich an einen einzigen Menschen wendet. Auch sie hat die Zeit überdauert. Wir wissen wenig über die Menschen, die diese Karte verband. Geblieben ist die Spur ihrer Zuwendung. Vielleicht liegt darin die eigentümliche Dauer der Freundschaft: Sie entsteht aus flüchtigen Gesten, die wir immer wieder erneuern.
Rudolf Velhagen, Leiter Sammlung und Konservierung bei Museum Aargau, erkundet an dieser Stelle die verborgenen Botschaften der Dinge. Rund 50 000 Objekte aus der kantonalen Sammlung warten auf ihre Befragung.