Bühne

Wahnhafter Ritt durch die Gefühle

Von
Louis Rüegger

Führt durch die Extreme menschlicher Gefühlsregungen: Johann Jürgens.

Das Kurtheater nimmt sich in seiner Eigenproduktion Thomas Melles radikalen Selbstbericht einer manischen Psychose vor, rasant und bewegend.

Thomas Melle hat 2016 mit «Die Welt im Rücken» ein vielbeachtetes Buch geschrieben. Melle leidet unter einer bipolaren Störung und macht diese zum Thema seines Textes. Die Krankheit besteht im Changieren zwischen Phasen extremer Depression und solchen der Manie. Dumpfe Taubheit der Empfindungen und dunkle Regungen von Verzweiflung treffen dabei auf wahnhafte Rastlosigkeit, Paranoia und Hemmungslosigkeit. Das Buch führt vor, wie der Ich-Erzähler aufgrund der Krankheit jeglichen Bezug verliert – zur Realität, zu den Menschen, die ihm nahestehen, zum gesellschaftlichen Leben: «Das ist das Fatum der Irren: ihre Unvergleichlichkeit, der Verlust jeglichen Bezugs zum Leben der restlichen Gesellschaft. Der Kranke ist der Freak und als solcher zu meiden», so der Autor. 

Diese Irrfahrt in die Einsamkeit wird in «Die Welt im Rücken» so schonungslos erzählt, dass der Text die Leser*innen mit einer Härte trifft, die das Leseerlebnis selbst in die Nähe einer Grenzerfahrung rückt – freilich ohne, dass das Buch sich anmassen würde, eine direkte Betroffenheit dieser Krankheit erfahrbar zu machen. Und gleichzeitig, wie das bei grosser Literatur so ist, wird die Schwere immer wieder durch Momente absurder Komik in eine Leichtigkeit überführt, die durch ihr Kontrastierungsvermögen dem Erzählten noch mehr Tiefe und Schärfe verleiht. 

Die Sprache, die Melle findet, ist so bildreich wie präzise, so assoziativ wie klar: «Ich rannte durch die Stadt, und die Stadt war verrückt geworden. Der Mob aus Zeichen und Bildern schoss aus allen Ecken auf mich zu. Geschickt wich ich aus, wo ich konnte, hatte aber keine Chance, gegen diese Masse zu bestehen. Es traf mich sekündlich hart.» Das Tempo, die Dringlichkeit, die Sprache dieses Textes schreien förmlich danach, in die Performanz gebracht zu werden. Entsprechend gab es schon mehrere Adaptationen dieser dreihundertfünfzig Seiten langen Suada für die Bühne. 

Dies geschieht nun auch in der aktuellen Eigenproduktion des Kurtheaters Baden. Die Regisseurin Johanna Böckli inszeniert Melles Stoff als eindringlichen Monolog, der den wahnhaften Ritt durch die Extreme menschlicher Gefühlsregungen durchexerziert. Der deutsche Schauspieler Johann Jürgens, bekannt etwa aus der Erfoglsserie «Babylon Berlin», nimmt sich dieser Parforceleistung an. Er bewältigt den Abend solo und fügt dem Text durch sein Spiel eine weitere Ebene hinzu, die dem Publikum diese Krankheit ein Stück weit begreifbar macht.

AAKU VERLOST 2×2 TICKETS für die Vorstellung vom Do, 19. Februar. 

Mail mit Betreff «Kurtheater » bis 9. Februar an redaktion@aaku.ch

Die Welt im Rücken

Dienstag, 17. Februar 2026

20:00 Uhr

Die Welt im Rücken

Mittwoch, 18. Februar 2026

20:00 Uhr

Die Welt im Rücken

Donnerstag, 19. Februar 2026

20:00 Uhr

Die Welt im Rücken

Sonntag, 22. Februar 2026

17:00 Uhr