Befreiender Tabubruch: Endlich wird über Geld gesprochen.
zvg
Das Kollektiv radikal plüsch stellt drängende Fragen im Kurtheater Baden – es geht ums Geld und um versteckte Armut.
Über Geld spricht man nicht. Dabei gibt es kaum eine Sache, die so beharrlich in jeden gesellschaftlichen Bereich hineinreicht wie das Geld. Es bestimmt unseren Alltag, unsere Beziehungen und unsere Zukunft. Das Leben im Privaten, wie in der Öffentlichkeit. Und doch, oder vielleicht gerade deshalb, schweigen wir darüber. Mit «Stilles Geld» übt das Theaterkollektiv radikal plüsch den Tabubruch.
Im Kanton Aargau, der soliden Mitte der reichen Schweiz, leben über 11 000 Menschen von Sozialhilfe, mehr als zehn Prozent der Bevölkerung sind armutsgefährdet. In Baden, wo gleichzeitig die meisten Millionär*innen im Kanton zuhause sind, zeigt sich die soziale Ungleichheit am deutlichsten. Wobei, zeigen tut sie sich eben nicht wirklich. Die Ungleichheit entzieht sich viel eher dem Blickfeld, verteilt sich über Städte und Gemeinden, verschwindet hinter Fassaden, in Pendlerströmen und Statistiken.
Ausgehend von Begegnungen und Gesprächen mit Menschen quer durch die gesellschaftlichen Schichten legen die Regisseur:innen Sabine Harbeke und Alexander Stutz die Realitäten hinter den Zahlen frei. Persönliche Geschichten erzählen von Schuldenlast, Erbscham, unbezahlten Überstunden, Niedriglohnarbeit und selbstverständlichem Luxus. Dem Regieduo gelingt ein mehrstimmiger Theaterabend, der wesentliche Fragen mit der notwendigen Dringlichkeit stellt. Wie viel ist genug? Wer darf träumen, und wer muss rechnen? Und wie Mani Matter schon fragte, «giengs dene wos guet geit nid besser, wenns dene besser gieng, wos weniger guet geit?»