Erlitt ein Burnout im Job, den sie liebt: To Athena.
Foto: Vera Joder
Die Swiss-Music-Award-Gewinnerin To Athena singt am Festival Musig i de Altstadt in Aarau. Auf ihrem neuen Album «Have I Lost My Magic?» thematisiert sie die heftigen Seiten des Lebens.
Ich hatte ein Burnout, weil ich den Job habe, den ich liebe, und deshalb mehr Energie hineinsteckte, als mir guttat. Insbesondere die viele Zeit, die man heutzutage mit der Social-Media-Arbeit verbringen muss, hat mich total gestresst. Anderseits ist sie nötig, damit mein musikalisches Herzensprojekt so gedeiht, dass ich meinen Musikerinnen eine Gage bezahlen kann, die mehr ist als nur ein Sackgeld.
Es folgte auf ein sehr langes burn on. Ich hatte mega viel Spass, da ich mein Hobby zum Beruf machen konnte und es immer ein wenig aufwärts ging. Weil die Schweiz ein kleines Land ist und wir ein Nischenprodukt anbieten, verdienen wir trotzdem wenig, müssen aber ähnlich viel Content abliefern wie eine Beyoncé, die über ein Team verfügt, welches sie entlastet. Bei uns hat die Arbeit eigentlich nie ein Ende.
Zuerst kam der Tinnitus, bei mir gleich acht verschiedene Töne auf einmal. Ich konnte nicht mehr arbeiten und nicht mehr schlafen. Ich hatte Herzrasen, Panikattacken und Gliederschmerzen, bis sich mein Rücken so verhärtete, dass ich nicht mehr aufstehen konnte. Da konnte ich die Signale des Körpers, die ich zwei Jahre verdrängt hatte, nicht mehr ignorieren und holte mir professionelle Hilfe. Nach der Burn -out-Diagnose nahm ich mir einen Monat Pause und dachte, nun wäre alles wieder gut. Tatsächlich dauerte es anderthalb Jahre, bis ich mich erholt und in meinem Leben die Dinge umgestellt hatte, die nötig waren.
Ich habe neben dem Beruf ein Privatleben, in dem ich mich auch noch anderen Hobbys widmen darf.
Die bastelt ganz gerne und kocht. Ich verbringe Zeit mit meinen engsten Freunden, auch Menschen, die nicht im Musikbusiness tätig sind. So lerne ich schon, was ich mit meinem Leben anfangen kann, wenn es To Athena einmal nicht mehr geben würde. Ausserdem bin ich weiterhin in Therapie und kann dies nur empfehlen, schon bevor es nicht mehr anders geht.
Meistens fliegen mir Wortfetzen und die Melodie gleichzeitig zu. Ich halte sie auf dem Handy fest und lasse sie da eine Weile liegen. Wenn ich sie später wiederhöre, habe ich oft das Gefühl, die Musik hätte am Anfang schon mehr über den Inhalt gewusst als ich. Dann nehme ich Demos auf, die ich dann zu einem späteren Zeitpunkt mit meinem langjährigen Produzenten Linus Gmünder in seinem Studio in Zofingen weiterentwickle. Die Arbeit am Text dauert in der Regel deutlich länger, bis ich zufrieden bin.
Lustigerweise überlegte ich tatsächlich, ob ich das Lied einreichen will. Ich stellte ein Pro- und Contra-Liste auf. Es hätte wohl auch Musikfans angesprochen, die sonst nie To Athena hören würden, entschied mich aber dagegen, weil ich dem Event Eurovision Song Contest zu kritisch gegenüberstehe, es zu sehr um meine Person gegangen wäre und die kommerzielle Vereinnahmung gross ist.
Mein Grossvater war ein sehr herzlicher Mann, aber Klassik war für ihn eine ernste, fast heilige Sache. Man setzte sich ruhig aufs Sofa und lauschte der Musik. Erst danach durfte man seine Emotionen zeigen oder sogar lachen. Dagegen lief bei uns zuhause Tag und Nacht Popmusik, was auch damit zusammenhing, dass mein Vater früher DJ war.
Nein, sie sind Handwerker, die es wunderschön finden, Instrumente zu bauen, aber lieber Queen als Mozart auflegen.
Ich sitze hier und mache mit Ihnen ein Interview! (Lacht) Den Rest werde ich vermutlich erst später merken. Anfänglich zögerte ich, weil ich dachte, dass meine Bubble eine Teilnahme extrem uncool finden würde, aber dann sagte ich zu, da es eines der letzten Formate ist, in denen es noch wirklich um Musik geht.
Weil mir der Name Tiffany nicht gefiel, unterschrieb ich schon als Jugendliche T. Limacher und machte statt des Punktes einen Kringel. So bekam ich den Spitznamen To, der zusammen mit meinem zweiten Vornamen Athena zu meinem Künstlerinnennamen wurde.
To Athena (*1995), bürgerlich Tiffany Athena Limacher, wuchs als Tochter von Geigenbauern in Luzern auf und lebt in Zürich, wo sie Popgesang an der ZHdK studierte. In ihrem kammermusikalischen Pop begegnen sich Stilelemente und Instrumente aus Indie Pop und Klassik. 2020 erschien ihr Debütalbum «Aquatic Ballet». Für ihren Zweitling «The Movie» erhielt sie 2023 bei den Swiss Music Awards den Artist Award. Bisweilen tritt sie mit einer neunköpfigen Band inklusive Harfe und Streicher*innen auf. Derzeit ist sie mit dem dritten Album «Have I Lost My Magic» auf Tour. rhö