Befreit das Klavier von seiner traditionell festgelegten Rolle: Matthieu Mazué.
Mischa Frey
Das Matthieu Mazué Trio findet neue gestalterische Wege im Isebähnli Baden.
Der Bass, wird oft gesagt, sei das Zentrum einer Band, der Boden, auf dem alles aufbaut. Sting, Paul McCartney, Charles Mingus und andere haben gezeigt, welche integrative Kraft vom tiefen Instrument ausgehen kann. Was also, wenn der Bass fehlt? Wer erdet die Musik, gibt ihr Fülle? Der französische (und oft in der Schweiz tätige) Pianist Matthieu Mazué wagt den Versuch.
Sein einziger Partner in der Rhythmusgruppe seines aktuellen Trios ist der Schlagzeuger Francisco Mela, über dem Geflecht, das die beiden spinnen, schwebt der Trompeter Diego Hedez. Das Fehlen des Bassisten ermöglicht und verpflichtet zugleich: Neue gestalterische Wege sind zu suchen. Mazué übernimmt dafür die tiefen Frequenzen mit dem Piano, bespielt alle 88 Tasten seines Instruments, Mela seinerseits muss sehr durchsichtig und klar agieren.
Matthieu Mazué stammt zwar aus Dijon, hat aber in Strassburg und Bern studiert und vor einigen Jahren den Zürcher ZKB-Jazzpreis gewonnen, ist also in der hiesigen Szene kein Unbekannter. Die Musiker des Trios, das er jetzt in Baden präsentiert, hat er im Mekka des Jazz, in New York, entdeckt. Francisco Mela ist dort eine etablierte Grösse, einer seiner Chefs war der grosse Saxophonist Joe Lovano.
Diego Hedez aber ist eine Neuentdeckung. Wie Mela stammt auch er aus Kuba, allerdings ist er gerade mal sechsundzwanzig Jahre alt und er scheint schon (fast) alles draufzuhaben, was er für eine erfolgreiche Karriere benötigt: instrumentales Können, Ideenreichtum, dramaturgische Übersicht und nicht zuletzt jugendlichen Übermut. Das Matthieu Mazué Trio ist eine Entdeckung wert!