Sounds

Schwebende Klangwelten

Von
Philippe Neidhart

Naturverbundener, lyrischer Shoegaze: deary.

Mit ihrem beeindruckenden Debütalbum haben sich deary in der Shoegaze-Szene einen Namen gemacht. Im November bringt das Trio aus Grossbritannien seine schwebenden Klangwelten ins Kiff.

Wir lassen den Blick über den wolkenverhangenen Himmel gleiten – zwischen pastelligen Grautönen blitzt die Sonne hervor und lässt das Licht auf dem Wasser funkeln. Ein Vogel kreist unbeschwert in der Luft, ein paar Flügelschläge tragen ihn höher, bis wir das gefederte Wesen aus den Augen verlieren. 

«Birding» – also das (überaus britische) Hobby der Vogelbeobachtung – ist Namensgeber des im Frühling erschienenen Erstlingswerks des Londoner Dreigespanns deary. Ein Name, der sich auch klanglich als erstaunlich treffsicher erweist: Es sind leise, luftige Hymnen, die uns Dottie Cockram am Gesang und der Gitarre, Ben Easton (Gitarre) und Harry Catchpole am Schlagzeug präsentieren. 

Die ätherischen Gitarrenflächen erinnern an die Shoegaze-Pioniere und 90ies-Dreampop-Ikonen von Slowdive und Lush, ohne sich in nostalgischer Verklärung zu verlieren. Vielmehr übersetzen deary die vertrauten Klangfarben in die Gegenwart: Wohlklingende Zärtlichkeit und robuste Dynamik halten sich die Waage, über allem schwebt Cockrams Gesang, der zwischen zurückhaltender Sanftheit und eindringlicher Intensität oszilliert. 

Auch lyrisch zieht es die Band hinaus in die Natur. Ihre Bilder von Landschaften und Lebewesen eröffnen einen poetischen Blick auf die Folgen menschlichen Handelns – und verleihen der musikalischen Leichtigkeit eine nachdenkliche Tiefe. So klingt «Birding» bisweilen wie ein Flug über eine Welt, die zugleich wunderschön und verletzlich ist. Wer sich an einem Novemberabend für eine Weile aus dem Alltag davontragen lassen möchte, findet hier den passenden Soundtrack: mit ordentlich Hall, schwebenden Melodien und gelegentlichen Turbulenzen.

deary

Sonntag, 15. November 2026

19:00 Uhr
Kiff
Aarau