«Lieber zauberer», 2021, Emanuelle Castellan.
zvg
Leuchtendes Petrol, darauf dunkelbraune Pinselstriche, die eine Silhouette andeuten; ein Gesicht, das den Blick auf den Boden richtet. Im Vordergrund schimmern breite Linien in Buttergelb. Ist es eine Lichtsäule? Eine Telefonkabine? Ein Portal zu einer anderen Welt? Sind wir drinnen, draussen – oder irgendwo dazwischen?
Emmanuelle Castellans Ölgemälde «lieber zauberer» ist nicht klar lesbar und fügt sich damit ein in die Welt voller Mehrdeutigkeit, die die Künstlerin mit ihren Werken geschaffen hat. Castellan wurde 1976 im französischen Aurillac geboren und lebt heute in Berlin, seit mehr als 25 Jahren arbeitet sie in der Kunst. Nun zeigt das Museum Langmatt ihre erste institutionelle Einzelausstellung. Farbschicht um Farbschicht entstehen Emmanuelle Castellans Werke.
Die Bilder wirken, als flüsterten sie Geistergeschichten. Und doch: Bei allem Mysteriösen tragen sie auch eine Leichtigkeit in sich. Castellan lenkt unsere Wahrnehmung sanft um, sie spielt mit Verwandlungen und setzt Pinselstriche, die zwischen den Bedeutungen schweben. Ein Freund schrieb über Castellan, sie zeige eine Blickbewegung auf: «zwischen dem Verlangen nach der Gegenwart, der Realität der Frau und dem willkürlichen Charakter des Zeichens». Es ist ein poetischer Blick – einer, der vielleicht sogar zaubern kann.