Rassismus erkennen, Kultur verändern: ein Aufruf zur gemeinsamen Reflexion

Von
Flora Cammerlander, Regionale Integrationsfachstelle (RIF) Aarau

Zarina Tadjibaeva thematisiert in «Neutralisiert» Schweizer Migrationspolitik: Im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus im Odeon Brugg (20.3.). Foto: Zoe Aubry Die

Rund um den Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März finden jedes Jahr Veranstaltungen und Kampagnen statt. Eine gute Gelegenheit, innezuhalten und sich zu fragen: Warum betrifft Rassismus uns alle?

Wer Rassismus nicht selbst erlebt, sieht ihn oft nur dort, wo er laut und sichtbar wird. Doch im Alltag zeigt sich Rassismus häufig leiser: in Worten, Blicken, Strukturen und Routinen. Durch unser Denken und Handeln reproduzieren wir Rassismus tagtäglich – auch unbewusst und ungewollt. Und die Kulturbranche ist davon nicht ausgenommen – etwa, wenn Geschichten immer wieder aus der gleichen Perspektive erzählt werden, wenn People of Color zwar auf der Bühne stehen, aber selten in Entscheidungspositionen vertreten sind, oder wenn sich kulturelle Angebote vor allem an ein weisses, akademisches Publikum richten.

Doch Kultur hat auch das Potenzial, Räume zu öffnen, die andere Formate nicht erreichen. Sie wirkt nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern über Begegnung, Emotion und Austausch. Denn Kultur ist mehr als Bühnen, Bücher oder Ausstellungen. Sie entsteht dort, wo Menschen einander begegnen, Geschichten teilen und unterschiedliche Erfahrungen nebeneinander Raum haben. Gerade in einer vielfältigen Gesellschaft kommt kulturellen Veranstaltungen damit eine besondere Verantwortung zu.

Gleichzeitig ist Kultur kein Selbstläufer: Der Zugang zu ihr ist ungleich verteilt. Eintrittspreise, Sprache, kulturelle Codes oder das Gefühl, nicht gemeint zu sein, schaffen Hürden. Wer Kultur als Beitrag zu einem solidarischen Miteinander versteht, muss diese sichtbar machen – und abbauen.

Die Aktionswoche gegen Rassismus ist ein wichtiges Instrument, um im Rahmen von kulturellen Veranstaltungen (Anti-)Rassismus öffentlichkeitswirksam aufs Tapet zu bringen. Gleichzeitig wirft sie die Frage auf, wie antirassistische Kulturarbeit über einzelne Anlässe hinaus nachhaltig wirken kann. Antirassismus in der Kultur wird dann besonders wirksam, wenn Vielfalt nicht nur thematisiert, sondern aktiv gelebt wird – durch die Einbindung Betroffener als Gestaltende, die Berücksichtigung unterschiedlicher Sprachen und Ausdrucksformen sowie eine langfristige Verankerung entsprechender Formate. So kann Kultur ein wichtiger Motor werden für Solidarität, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Regionalen Integrationsfachstellen (RIF) im Aargau setzen sich rund ums Jahr für die institutionelle Öffnung sowie gegen Rassismus und Diskriminierung ein, vor allem in den Regelstrukturen wie der Verwaltung oder Schulen. Im Rahmen der schweizweiten Aktionswoche gegen Rassismus laden sie – ebenso wie andere Institutionen – jährlich die breite Öffentlichkeit dazu ein, sich an einem bunten Strauss von Veranstaltungen mit dem Thema auseinanderzusetzen. Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus im Aargau: integrationaargau.ch/agr