Sounds

Queerfeministische Utopie

Von
Philippe Neidhart

Entwerfen mit «Sibcity» eine Traumstadt: Das Berner Rapkollektiv ETO.

Die Berner Tinfa*-Rapcrew ETO nimmt uns im Royal Baden mit in ihre Traumstadt «Sibcity».

Sechs Menschen, die sich seit Kindheitstagen kennen, ein gemeinsamer Traum und eine ordentliche Portion Wut im Bauch: ETO machen Rap für eine Welt, in der sich alle frei entfalten können. Erste Bekanntheit erlangte die Berner Crew mit dem Track «Micdrop», der in der Fernsehserie «Tschugger» zu hören war. Doch statt sich auf den Lorbeeren auszuruhen, ging es ins Studio. Das Resultat heisst «Sibcity» und ist das Debütalbum des Kollektivs. 

Der Titel ist Programm: «Sib» leitet sich vom englischen «Sibling» (Geschwister) ab und steht für eine geschlechtsneutrale Alternative zu «Bro» oder «Sis». In «Sibcity» gelten andere Regeln als in der patriarchalen und mit dystopischen Auswüchsen geprägten Realität: Hier haben Solidarität, Empathie, Kreativität und gegenseitiger Respekt das Sagen. Ihre Beats pendeln zwischen Oldschool-Hip-Hop und elektronischen Klängen, die Texte zwischen unbändiger Wut und liebevoller Zuversicht. Dabei halten sie der Cis-Hetero-Männerdomäne Rap den Mittelfinger entgegen – mit scharfen Lines, roher Energie und unverblümter Ehrlichkeit. Auch live soll diese Utopie spürbar werden: ETO wollen im Royal einen Safespace für Tinfa*-Personen schaffen und Menschen zusammenbringen.

Und sie kommen nicht allein, mit von der Partie ist auch Alwa Alibi. Die Berner Musikerin hat sich mit ihren poetischen Mundarttexten einen Namen gemacht, in denen sie persönliche Erfahrungen, queere Lebensrealitäten und gesellschaftliche Fragen miteinander verwebt. Auf ihrer jüngsten EP «Dreamgirl» schlägt sie neue Töne an: Statt melancholischer Rap-Momente stehen nun poppige R&B-Klänge und eine gute Portion Selbstironie im Zentrum. Alwa Alibi zeigt, dass Haltung und Leichtigkeit bestens zusammenpassen – und ergänzt ETOs queerfeministische Utopie um eine weitere Facette.

BADEN Royal, Fr, 6. November, 21.30 Uhr