Screen-Tests 2025
Esther Hunziker
Sich dem Unheimlichen stellen, ja sich von seinen ästhetischen Dimensionen erfassen lassen, kann man in der derzeitigen Ausstellung «Afterglow» des Zimmermannhaus gerade doppelt.
Hier treffen die materialisierten Imaginationsräume der Künstlerinnen Esther Hunziker (*1969, Menziken) und Victoria Holdt (*1992, Uster) aufeinander, und eben: Sie beide spielen mit der Irritation, die jedem Unheimlichen zu Grunde liegt, nämlich der Uneindeutigkeit der Erscheinungen.
Wenn Esther Hunziker in ihren mittels KI generierten Videoporträts imaginäre Menschen und seltsame Pelzwesen zu hybriden Figuren verschmelzen lässt, geraten feste Gewissheiten in die Schwebe: Ist das menschlich, echt, oder künstlich? Was lebt hier, was nicht? Just die maschinengenerierten Bilder konfrontieren uns also mit einem alternativen Selbstbild, mit der verdrängten Ahnung, dass vielleicht Körper und Psyche als kohärente Entität bloss eine wirkmächtige Illusion sind.
Dieser Schauer setzt sich bei Victoria Holdt fort, bei der ein Moor zum Ausgangspunkt ihrer Sound- und Objektinstallation wird. Man hört es blubbern und knistern, ein mythisches Wiegenlied schwebt da im Dunkeln. Gase steigen auf, es irrlichtert. Das Moor als Metapher für das Unbewusste? Für den Ort in uns, wo der Wahnsinn seine Heimat hat, und auch nichts vergessen wird. Alle die Wesen, die darin versunken sind, werden für lange Zeit konserviert, und ganz langsam werden sie wieder zur Ursuppe, aus der das Leben in ewiger Wiederkehr entsteigt.