«Kunst braucht Lohn»

Von
Petra Nježić

Petra Nježić Präsidentin von Visarte Aargau. Foto: Stephan Fehr

Petra Nježić, Präsidentin von Visarte Aargau, macht auf den prekären Kreislauf aufmerksam, in dem sich Kunstschaffende oft befinden.

Honorare für Kunst- und Kulturarbeit sind derzeit ein viel diskutiertes Thema – zu Recht. Die finanzielle Lage von Künstler*innen und auch von freischaffenden Kurator*innen in der Schweiz ist prekär. Kulturarbeit, insbesondere Kunstarbeit, gilt für weite Teile der Gesellschaft und der Politik nach wie vor als «Leidenschaft» und nicht als vollwertige, gesellschaftlich relevante Arbeit, die fair entlöhnt werden muss. Fakt ist: Kunst war und ist in Teilen elitär, allerdings nicht wegen ihren vermeintlich zu komplexen Inhalten, sondern vielmehr wegen der Frage, wer es sich überhaupt leisten kann, Kunst zu machen, und trotz enormem Arbeitsaufwand kaum etwas daran zu verdienen.

Mit dem Wandel der exklusiven Akademien hin zu demokratisch verankerten Kunstschulen wurde der Beruf der Künstler*in für alle zugänglich. Doch was bedeutet das, wenn keine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorhanden sind, die ein Leben als Kunstschaffende ermöglichen?

Als Visarte Schweiz vor gut zehn Jahren die ersten Honorarleitlinien für Künstler*innen und Kurator*innen ausarbeitete, war es noch keineswegs selbstverständlich, dass künstlerische Arbeit auch unabhängig vom Verkauf von Kunstwerken angemessen entschädigt werden müsste. Die Honorierung professioneller Künstler*innen hat sich inzwischen zwar verbessert. Ausstellungshonorare werden heute von vielen Institutionen und Spaces bezahlt. Diese Honorare fallen jedoch meist bescheiden aus und entschädigen nur den Aufwand für Transport, Installation und Präsenz, aber nicht die Produktion eines Werkes. Viele zeitgenössische Arbeiten sind ortsspezifisch und entstehen eigens für eine Ausstellung. Hinzu kommen Produktionskosten, Transporte, Auf- und Abbau, Reisen sowie ein erheblicher administrativer und organisatorischer Aufwand. Diese oft unsichtbare Arbeit wird vielfach nicht oder nur ungenügend entlöhnt.

Gleichzeitig tragen selbstständig arbeitende Künstler*innen laufende Kosten für Atelier, Material, Infrastruktur sowie Administration und Bewerbungen - ein prekärer Kreislauf für viele Kunstschaffende. Mit der Plakataktion im Herbst macht Visarte Aargau anlässlich der von Visarte Schweiz überarbeiteten Honorarleitlinien erneut auf dieses wichtige Thema aufmerksam. Plakate mit Slogans wie «Kunst braucht Lohn“ und „Professionelle Kunst ist Arbeit“ werden im ganzen Kanton aufgehängt, in den Städten Aarau, Baden, Brugg und Lenzburg ebenso wie in diversen kleineren Gemeinden. Ziel ist es, die Bevölkerung für den Wert künstlerischer Arbeit zu sensibilisieren und insbesondere auch die Politik im Kanton Aargau anzusprechen. Denn gerade dort wird immer wieder gespart, wo die Beiträge ohnehin meist nur symbolischen Charakter haben und den tatsächlichen Arbeitsaufwand professioneller Kunstschaffender bei Weitem nicht decken.

Zur Person

Seit März 2026 ist die Künstlerin Petra Nježić Präsidentin von Visarte Aargau. Neben ihrer künstlerischen und kulturpolitischen Arbeit ist sie als freie Kunstvermittlerin tätig. Im Raum Aarau engagiert sie sich seit Jahren für bezahlbare Atelier- und Kunsträume. Petra Nježić lebt und arbeitet in Aarau und ist Mutter eines einjährigen Sohnes. Visarte Aargau ist der Berufsverband der professionellen visuellen Künstler*innen und Kurator*innen und setzt sich für deren Arbeitsbedingungen ein.

Plakataktion

Die offizielle Eröffnung der Plakataktion findet am Samstag, 19. September 2026 um 15 Uhr statt. Bei gutem Wetter auf dem Vorplatz, bei schlechtem Wetter im Stadtmuseum Aarau. Die Plakataktion von Visarte Aargau ist Teil der Aktionstage von Visarte Schweiz. Künstler*innen und Kurator*innen in der ganzen Schweiz setzen im Laufe des Jahres mit zahlreichen Aktionen ein Zeichen für faire Arbeitsbedingungen im Kunst- und Kulturbereich.