Editorial

Kostbares Ideenlabor

Von
Michael Hunziker

Kürzlich haben wir Sie darum gebeten, uns Ihre Meinung zu sagen. Nun ist die Evaluation abgeschlossen und die Ergebnisse liegen vor. Wir danken allen, die sich dafür Zeit genommen haben. Wir sind sehr glücklich über die breite Zustimmung, die das AAKU erhält. Die sehr hohen Zufriedenheitswerte bestätigen uns in unserer Arbeit! Juhuu! Ebenfalls dankbar nehmen wir den angemeldeten Entwicklungsbedarf entgegen: Unser Erscheinungsbild wird heuer zehn Jahre alt, ein neues Layout ist sicherlich angezeigt und auch unsererseits ein Wunsch für die Zukunft. Auch in unsere Webseite und in Social Media würden wir gerne mehr investieren. Als Non-Profit-Magazin mit beschränkten finanziellen Möglichkeiten müssen wir aber mit kleinen Schritten beginnen.

Über 100 Personen haben sich sogar die Mühe gemacht, uns im freien Kommentarfeld ein persönliches Feedback zu hinterlassen. Die Botschaften (sie wurden von der Agentur vollständig anonymisiert), haben uns gerührt, amüsiert, auch ein bisschen getroffen und immer zum Denken gebracht. Wir wurden ermutigt, frecher und kritischer zu sein, weniger lobbyorientiert und kantonsergeben zu agieren, mehr Feuilleton und Kontroversen zu wagen. Mehr Journalismus, weniger Literatur, wurde gefordert. Dann meldeten andere zurück, wir seien viel zu links-grün, ultra woke und nur für ein städtisches Szenepublikum – das Geld könne man sich sparen. Und gleich mehrere Personen wünschen sich, dass wir ja nichts verbessern sollen, weil bereits gut. Auch interessant ist, dass sich die leise Städtekonkurrenz zwischen Baden und Aarau in der Umfrage niederschlug: Fokus auf die Kantonshauptstadt, forderten die einen, mehr Baden die anderen.

Das Thema Gendern bewegt offenbar einige immer noch. Den Genderstern lesen sie als ideologisches Zeichen, das für alles steht, was sie ablehnen. Das haben wir auch – und jetzt kommt der Themenwechsel zum aktuellen Heft – im Gespräch mit EDU-Grossrat Martin Bossert festgestellt. Wir wollten von ihm und seinem Kollegen aus der FDP, Titus Meier, wissen, weshalb die Kulturförderung im Aargau einen solch schweren Stand hat, obwohl die Kassen voll sind und ein paar Almosen mehr für die Kultur doch drin liegen müssten.

Kulturinstitutionen stehen im Dienst der Öffentlichkeit. Sie leisten einen Beitrag zur gesellschaftlichen Vielfalt, zum Zusammenhalt und zum humanen wie technischen Fortschritt. Menschen experimentieren mit utopischen, progressiven Ideen, setzen sich mit ihrer Vergangenheit auseinander, performen, debattieren, kritisieren und drücken sich künstlerisch aus. Dazu braucht es freie Räume und schlicht Geld. Werden diese Räume beschnitten, verlieren Minderheiten und alternative Ideen Sichtbarkeit und die Gesellschaft ihre Innovationskraft. Weltweit ist zu beobachten, wie autoritäre Parteien versuchen, diese Öffentlichkeit zu kontrollieren, abzubauen, gleichzuschalten. Diese Tendenz zeigt sich auch hier in Debatten um Kulturbudgets wie auch in Aktionen wie der «Halbierungsinitiative». Wir haben Kulturschaffende und Expert*innen aus dem Aargau gefragt, was eine Halbierung der SRG für die Kultur bedeuten würde.

Noch etwas in eigener Sache: Gerne begrüssen wir Deborah Lara Schaefer als neue Kolumnistin bei uns. Sie löst Eva Seck ab, die sich bald mit anderen Texten bei uns zurückmelden wird. Auch die Comiczeichnerin Wanda Dufner heissen wir herzlich willkommen. Sie wird im Turnus mit anderen Illustrator*innen für einen Bilderzyklon sorgen.