RÄTSEL Unsere Autorin Eva Seck sucht Orte der Kunst auf und eröffnet ein Ratespiel: Wo sind wir hier?
Auf dem gepflasterten Vorplatz lädt eine Rundbank zum Hinsetzen ein und das bronzene Mädchen mit dem Früchtekorb wirft einen Schatten auf die Treppe wie ausgelaufenes Öl. Darum herum wuselt das Dorf. Z’mitzt drin: Das alte Fachwerkhaus mit dem roten Gebälk und dem weissen Verputz. Es sieht zum Anbeissen aus, ein Lebkuchen-Läckerli-Haus. Das riesige schokoladenfarbene Scheunentor vervollständigt das Bild. Der Geruch im Treppenhaus erinnert mich an meine Primarschule und tatsächlich beherbergt dieses Haus nicht nur Kunst, sondern auch einen Kindergarten. Kinder und Kunst sind ja eh miteinander verwandt. Ich bewundere die aus Papptellern gebastelten Sonnen und Scherenschnitte, die mir den Weg in die Galerie weisen. Dann steige ich die Treppen hoch ins Dachgeschoss und beginne meinen Rundgang unterm Gebälk. Es sind ruhige Räume, durch ein geöffnetes Fenster fällt warmes Frühlingslicht. Von draussen wehen Stimmen hinein. Das Licht und das Kinderjauchzen machen die Öl- und Acrylbilder an der Wand lebendig. Das Farbrelief auf der Leinwand beginnt sich zu bewegen, als wäre es ein unruhiges Gewässer. Ich kneife meine Augen zusammen: wie trügerisch, wie verführerisch. Im ersten Stock betrete ich die Stadt Genua, die grossformatig an den Wänden hängt. Eine grüne-graue Sehnsucht nach Süden überkommt mich wie ein Schwindel. Wieder draussen vor dem Haus schliesse ich kurz die Augen, lasse mir die Sonne aufs Gesicht scheinen und hinter den Augen beginnt es zu summen. Ich fahre über die Furchen des Holzes, taste nach den Spalten und Ritzen, die mich durch die Zeit tragen, bis ins Jahr 1741, jenes Jahr, in dem das Haus gebaut wurde. Ich lade mich auf wie ein Kristall im Mondlicht, lade mich auf mit der jahrhundertealten Weisheit von Kalk, Holz und Farbe. Stehe so lange da, bis ein Kind vorbeikommt und mich geschickt in ein Gespräch verwickelt, als wolle es mir sagen: He, du, bleib hier!
Wo sind wir hier?
Im ganzen Aargau verteilt finden sich Galerien und Kunsträume. Eva Seck besucht sie für uns und schreibt ein poetisches Rätsel. Haben Sie herausgefunden, wo sie dieses Mal war? Die Auflösung finden Sie in unserem Printmagazin auf Seite 45.