Bühne

Jenseits von Gut und Böse

Von
Louis Rüegger

Das Theater Kanton Zürich spielt den antiken Klassiker Antigone.

Das Theater Kanton Zürich ist mit Antigone zu Gast auf der Bühne Aarau und im Kurtheater Baden. Euripides’ Tragödie, eines der bedeutendsten Stücke der Weltliteratur, wird in der schlanken, zeitgenössischen Fassung der kanadischen Autorin Anne Carson gezeigt.

Eteokles und Polyneikes, die Söhne des verstorbenen Ödipus, König von Theben, bekriegen sich um die Thronfolge und töten sich im Zweikampf gegenseitig. Weil keine weiteren männlichen Nachkommen vorhanden sind – wohl aber zwei Töchter: Antigone und Ismene – beansprucht Ödipus’ Bruder Kreon die Herrschaft für sich. Da Polyneikes den Krieg um die Macht durch einen Angriff auf Theben angezettelt hatte, gilt er als Feind der Stadt. Der neue Herrscher spricht deshalb ein Verbot aus, Polyneikes ordentlich zu bestatten. Viel eher solle sein Leichnam vor den Toren der Stadt verwesen. 

Antigone, die Schwester Polyneikes und Nichte Kreons, sowie Verlobte dessen Sohnes Haimon, widersetzt sich dem Befehl. Sie steht ein für eine Menschlichkeit jenseits von Gut und Böse und mahnt ihren Onkel, die Gesetze der Götter der Unterwelt nicht zu missachten. Demnach sei jeder Tote zu bestatten, um ihm den Eingang ins Totenreich zu gewähren – unabhängig von seinen begangenen Taten. 

In die Idee der Unantastbarkeit der Staatsordnung verbissen, weist Kreon sie ab. Nachdem Antigone ihren Bruder eigenhändig begräbt, lässt Kreon sie verhaften und bei lebendigem Leibe in eine Grabkammer sperren. Das Unheil nimmt seinen Lauf: Antigone erhängt sich in ihrem Verlies. Kreons Sohn Haimon, Antigones Verlobter, tötet sich darauf selbst. Seine Mutter Eurydike, Kreons Ehefrau, tut es ihrem Sohn gleich.

Wann wird staatliche Räson unvernünftig? Wann droht politische Rationalität in ihr Gegenteil zu kippen? Welche Möglichkeiten von Widerstand bleiben dem Individuum? Und wie schlägt sich solcher im menschlichen Einzelschicksal nieder? Euripides’ antiker Stoff wirft Fragen auf, die auch heute noch, 2500 Jahre nach seiner Entstehung, einen Nerv treffen.

Antigone

Dienstag, 05. Mai 2026

20:00 – 21:25 Uhr
Bühne Aarau - Alte Reithalle
Aarau

Antigone

Mittwoch, 06. Mai 2026

19:30 Uhr