Unsere Autorin Eva Seck sucht Orte der Kunst auf und eröffnet ein Ratespiel: Wo sind wir hier?
Die Parkettböden knarren bei jedem Schritt, und in jedem Raum sind sie etwas anders verlegt. Die hohen Räume bezeugen die grossbürgerliche Herkunft. Zuvor bin ich durch den Kies gewatet, habe dem Knirsch-Konzert gelauscht und die perfekt gestutzten Buchshecken bewundert. Ein Haus, in dem die Kunst wohnt; es empfängt mich mit forschen Augen, warm und wie immer etwas unnahbar. Vorsichtig taste ich mich den Wänden entlang, sehe mich um, folge den Zeichen. Hinter einem Fenster erhasche ich einen Blick auf die Aare. Schliesslich betrete ich einen verdunkelten Raum, eine Dunkelkammer, die mich an einen Walbauch erinnert, ein Bauch, in dem Poesie heranwächst. Die Sätze verfolgen mich wie Geister und nach jeder grauen Flügeltüre, durch die ich trete, wird das Geflüster lauter. Ich flüchte an ein Fenster zum Garten hin, und beisse meinen Blick ins Immergrün der Büsche, baue ein Nest, lege mich hinein und mache die Augen zu, bis das Flüstern verklingt. Als ich die Augen wieder öffne, kleben die Worte an der Fensterscheibe, sie haben sich neben mich gesetzt und es sich gemütlich gemacht. Jetzt schmiegen sie sich wie kleine Felltiere an meinen Ellbogen, und meine Scheu vor ihnen lässt nach, ich entspanne mich und breite meine Gedanken aus, wie eine Picknickdecke im Park. Mein Körper dehnt sich und fliesst in die Ritzen des Parketts. Okay, Fokus jetzt: Ich gehe von einem Raum in den nächsten, bis ich wieder am Anfang bin und die Runde von vorne beginnt. Ein Anfang ohne Ende ohne Anfang. Ich steige Treppen hoch und stelle fest: Das Treppenhaus ist ein Schneckenhaus. Hinauf in die Beletage, hinauf, ins schöne Geschoss. Die Frau vom Empfang sieht mich zirkeln und drehen, ruft mir fragend zu, was mich denn so umtreibe und ich schwöre, es sind die Wörter, die Bilder, die Metaphern und Sätze, die mich so unruhig durch das Gebäude geistern lassen. Irgendwann spuckt mich das edle Haus aus, ich stolpere über den Kies und in die kalte Luft. An der Remi- se vorbei, in deren Fassade sich eine Kletterpflanze mit ihren kleinen spitzen Zähnchen gebissen hat und mich ahnen lässt, was im Sommer hier erst los sein muss.
WO SIND WIR HIER?
Im ganzen Aargau verteilt finden sich Ga- lerien und Kunsträume. Eva Seck be- sucht sie für uns und schreibt ein poeti- sches Rätsel. Haben Sie herausgefun- den, wo sie dieses Mal war? Die Auflösung finden Sie exklusiv in der Printausgabe.