Flexionen des Alltags

Hoffnungsvolles Nachdenken

Von
Eva Seck

Genau ein Jahr nach dem Erwachen mit der schrecklichen Gewissheit, dass Donald Trump wiedergewählt wurde, erwachte ich diesmal mit der Schlagzeile, dass Zohran Mamdani die Wahl zum Bürgermeister in New York gewonnen hat sowie zwei Demokratinnen, Spanberger und Sherrill, Gouverneursämter in Virginia und New Jersey. Mamdani ist angetreten, die Mieten für Menschen, die in der Stadt arbeiten, aber je zwei Stunden hin- und zurückpendeln müssen, wieder bezahlbar zu machen. Er will Läden eröffnen, in denen ein Apfel nicht über 3 Dollar kostet, mit Lebensmitteln, die sich alle Menschen in New York leisten können. Er will kostenlose Kitas und öffentlichen Schulen fördern, weil nur reiche Menschen es sich leisten können, ihre Kinder auf Privatschulen zu schicken. Er will Busfahren gratis machen und somit den Individualverkehr verringern, die Stadt klimaresilienter machen. Finanzieren will er das alles über Steuererhöhungen für die Reich(st)en. «Steuern», so sagt es nämlich auch die deutsche Politikwissenschaftlerin und Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas in der WoZ, «sind das Rückgrat der Demokratie». In der Schweiz beginnen wir dank Abstimmungen, wie jener zur Erbschaftssteuer auf hohe Vermögen, darüber nachzudenken, in welchem Zusammenhang Überreichtum und die Klimakatastrophe stehen. Wir beginnen zu rechnen, wie viel uns zugeschüttete, überschwemmte Dörfer und Gemeinden kosten werden. Spoiler: Mehr als die Massnahmen dagegen, die mit eben solchen Steuern finanziert werden könnten. Die Initiative für eine soziale Klimapolitik eröffnet uns die Gelegenheit, darüber nachzudenken, zu diskutieren und hoffnungsvoll über unsere Zukunft nachzudenken.

Eva Seck (*1985 in Rheinfelden) schreibt Lyrik, Prosa und essayistische Texte. Ihr letzter Gedichtband «versick-erungen» erschien 2022 im Verlag «die brotsuppe» in Biel. Sie lebt mit ihrer Familie in Basel.