Laienkultur-Vereine kämpfen mit rückläufigen Mitgliederzahlen und mit dem Ausbleiben ehrenamtlichen Engagements. Nadine Fernández von der neugeschaffenen Koordinationsstelle schreibt über erste Massnahmen gegen die Tendenz.
Der Kanton Aargau besitzt eine äusserst vielfältige Laienkultur. Rund 600 Vereine in den sechs wichtigsten Verbänden repräsentieren etwa 11 000 Mitglieder – die Spanne reicht von Gesang, Jodeln und Trachtenwesen bis hin zu Theater und Blasmusik. Doch diese Vereine sind weit mehr als blosse Freizeitangebote; sie bilden das Rückgrat unserer Gesellschaft: Als generationenübergreifende Begegnungsplattformen sichern sie die kulturelle Vielfalt und fördern den Austausch in unseren Gemeinden. Ein Verlust dieser ehrenamtlichen Strukturen würde das soziale Miteinander im Kanton empfindlich schwächen.
Trotz ihrer zentralen Bedeutung kämpft die Aargauer Vereinslandschaft mit langfristigen strukturellen Herausforderungen. Es ist eine Entwicklung, die bereits seit den 1990er-Jahren spürbar ist: Mitgliederschwund und Überalterung setzen vielen Sektionen zu. Die Suche nach Nachwuchs für den Vorstand oder die musikalische Leitung gestaltet sich zunehmend schwierig. Hinzu kam bisher ein oft geringer Austausch zwischen den Sparten: Die einzelnen Verbände agierten meist für sich, wodurch wertvolle Synergien ungenutzt blieben. Die Bewältigung dieser Themen ist aber ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das über das rein Kulturelle hinausgeht.
Um die Laienkultur nachhaltig zu unterstützen, hat der Kanton Aargau reagiert und die Koordinationsstelle Aargauer Laienkultur «KoALa» ins Leben gerufen. Sie dient als strategische Drehscheibe, um Vereine zu vernetzen und ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern. Seit dem Start im Februar 2025 hat die Koordinationsstelle bereits viel angestossen. Nach intensiven Bedarfsanalysen in den Verbänden wurden Workshops durchgeführt, um frische Ideen zur Mitgliedergewinnung zu entwickeln, die nun in ersten Pilotprojekten umgesetzt werden.
Der Fokus liegt dabei auf der direkten Beratung, der spartenübergreifenden Vernetzung und gezielten Weiterbildungen zu Themen wie Kommunikation und attraktiver Vorstandsarbeit. Um die Sichtbarkeit der Vereine zu erhöhen, wurden zudem eine eigene Webseite sowie ein Social-Media-Auftritt lanciert. Ein Beispiel für die neue Form der Zusammenarbeit ist die geplante «Laienkulturwoche», in der Vereine gemeinsam ihre Türen öffnen werden. Das Ziel ist klar: den Austausch untereinander zu fördern und die Vereine als lebendigen, vernetzten Teil unserer Kulturlandschaft zu stärken.
Die KoALa – Koordinationsstelle Aargauer Laienkultur ist die zentrale Anlaufstelle für alles, was das Vereinsleben im Kanton bewegt. Als Partnerin der Vereine fördert sie den Austausch und entwickelt Lösungen für aktuelle Herausforderungen. KoALa ist ein Projekt im Auftrag des Kantons Aargau. Die Umsetzung (2025 – 2028) verantwortet die Agentur gutundgut gmbh aus Lenzburg unter der Leitung von Nadine Fernández und Sara Jantzen. ag-laienkultur.ch