Wien Favoriten. Während ich meine Habseligkeiten in Kisten verstaue und sie auf das Höhenplateau des IKEA-Schranks hieve, putzt mein Mann die Küche. Morgen zieht in unsere Wohnung eine Mitarbeiterin des britischen Geheimdiensts zur Untermiete ein. Ich habe Ann letzten Sommer an einer Vernissage im 1. Bezirk kennengelernt, im Verlauf des Abends stellten wir fest, dass unsere Grossmütter aus derselben polnischen Kleinstadt stammen.
Samstagabend, Kanzlei Club in Zürich. Beim Anstehen am Einlass öffne ich WhatsApp: Eine Videonotiz von Ann, sie fischt die Biografie der Anarchistin Emma Goldmann aus einem Umzugskarton und stellt sie in unser Bücherregal.
Sechs Battles sind für heute Abend angesagt, das Line-Up besteht aus einhundert Prozent Männern, angereist aus Deutschland und der Schweiz. Auf den Frauenmangel angesprochen, sagt mir ein Rapper: «Es gibt wenige, und wenige gute.» Sein Battle gewinnt er mit 91% der Stimmen im Saal.
Die nächsten Kontrahenten üben sich in Outcalling. Drogenkonsum mit einem minderjährigen Fan. Vernachlässigte Unterhaltsvorauszahlungen.
In der Pause vor dem letzten Battle muss ich pinkeln. «Verrückt», höre ich einen Besucher sagen, als ich leichtfüssig an der Schlange vor der Männertoilette vorbeigehe. «Gibt’s auch nur im Battlerap.»
In der Kabine tippe ich auf Instagram ein Interview-Reel an.
«Look, I know Social Media wants this…»
Meredith Whittaker, CEO des Messenger-Diensts Signal, kritisiert die neuen KI-Agenten von Claude, und schaut plötzlich in die Kamera.
«But guys, like what the fuck?!»