Dose Stutz, Hunzenschwil, um 1950, Blech, Papier, Masse 13 x 22 x 23 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-22374
Sie war einmal gefüllt mit Süssigkeiten und mit dem Versprechen eines kleinen Luxus im Alltag. Hergestellt von der Firma Stutz in Hunzenschwil, einem Betrieb, den Heinrich Stutz-Meier – einst selbst Verdingbub – in den frühen 1930er-Jahren aufbaute. Eine Biografie, die von Aufstieg erzählt, von Beharrlichkeit und dem Willen, dem Vorgegebenen etwas Eigenes entgegenzusetzen. Während des Zweiten Weltkriegs übernahm seine Ehefrau die Leitung. Später jedoch geriet das Unternehmen unter den Druck der Grossverteiler und verschwand 1984 vom Markt – leise, wie so viele.
Heute ist die Dose leer – und gerade darin liegt ihr Reichtum. Denn was nach dem letzten Biscuit oder Bonbon bleibt, entzieht sich der Inventarisierung. Vielleicht bewahrte sie Knöpfe, Briefe, lose Schrauben auf. Vielleicht kleine Schätze eines Kindes, sorgsam versteckt. Oder Erinnerungen, die keinen festen Ort hatten und doch einen brauchten. Die Dose wurde zum Behälter des Unausgesprochenen – ein stiller Komplize des Alltags.
Ihre abgenutzten Kanten erzählen von Händen, die sie öffneten und schlossen, von einem Umgang mit Objekten, der auf Dauer zielte. Aus Verpackung wurde Aufbewahrung, aus Konsum Beständigkeit. So ist diese Blechdose mehr als ein Industrieprodukt. Sie ist ein kleiner Resonanzraum vergangener Leben. Und vielleicht ist ihr grösstes Geheimnis dies: Dass sie nie wirklich leer war.
Rudolf Velhagen, Leiter Sammlung und Konservierung bei Museum Aargau, erkundet an dieser Stelle die verborgenen Botschaften der Dinge. Rund 50'000 Objekte aus der kantonalen Sammlung warten auf ihre Befragung.