«Rumination», Ola Zaitoun
Tagebuch aus Aarau von Ola Zaitoun
Ich bin eine palästinensische bildende Künstlerin mit israelischem Pass – eine Tatsache, die jedes Detail meines Alltags komplizierter macht. Manchmal sehe ich mich gezwungen, Teile meiner Identität zu verbergen, um inmitten des Lärms der Raketen, die alles umgeben, ein friedliches Leben zu führen.
Für mich ist Kunst nicht nur eine Tätigkeit, sondern eine Lebensweise. Sie ist eine Sprache, durch die ich mit der Welt kommuniziere, eine Brücke, die meine innere Welt mit der Außenwelt verbindet. Ich experimentiere gerne mit verschiedenen Materialien und kombiniere sie miteinander, stelle Fragen, die den Betrachter zum Nachdenken und Reflektieren anregen. Selbst wenn ich nur eine Blume male, ist es nie nur eine Blume – sie wird zu einem Raum für Dialog und Kontemplation.
An Orten wie Aarau und dem Krone Atelier kann ich Abstand von meiner Lebensrealität gewinnen: Es ist ein Gefühl übermäßiger Sicherheit. Wie in einem Traum, wo ich ohne Sorgen am Fluss entlang spazieren und die Schwäne beobachten kann. Ich liebe es, Museen und Ausstellungen zu besuchen, andere Künstler*innen zu treffen und ihre Ateliers zu erkunden – jede dieser Erfahrungen nährt meine künstlerische Praxis und bereichert meine Ideen.
Mein aktuelles Projekt nimmt noch Gestalt an, und ich ziehe es vor, es frei wachsen zu lassen, fernab von Aufsicht und Druck. Ideen brauchen Raum, um sich zu entwickeln, und Kunst braucht Schutz, bevor sie das Licht der Welt erblicken kann.
Zur Person
Ola Zaitoun (*1988 Kana, Galiläa) studierte Psychologie, Kriminologie und Womenstudies an der Universität Haifa und anschliessend Bildende Kunst ebenda. Ihre Arbeit wurde mit dem Artist of The Year Awarad der Qattan Foundation ausgezeichnet.
AARAU Forum Schlossplatz, 6.–21. Juni