Koloniale Verflechtungen gemeinsam aufarbeiten: Mit der Group50:50.
Anja Koehler
Die Group50:50 dekonstruiert die koloniale Geschichte der «Wax Prints» – eine musikalische Reise durch Kontinente und Jahrhunderte, in der Alten Reithalle Aarau.
Wax Prints, das sind bunt gemusterte Baumwollstoffe, die mittels Batiktechnik hergestellt werden. Heute werden die auffälligen Stoffe in erster Linie mit Westafrika in Verbindung gebracht. Die Muster und Fertigungstechniken haben ihren Ursprung allerdings in Indonesien. Europäische Industrielle – so auch die Basler Handelsgesellschaft – begannen im 19. Jahrhundert die importierten Stoffe zu kopieren, in der Annahme, dass in Indonesien ein Absatzmarkt für die Massenanfertigung bestünde. Doch die industriell gefertigten Produkte fanden im Ursprungsland der traditionellen Fertigungsverfahren keinen Anklang. Über Umwege gelangten Teile der europäischen Imitationsware nach Westafrika, wo sie sich rasch etablierten und zu einem festen Bestandteil der lokale Mode und Kultur wurden.
Die Group50:50 ist ein transnationales Künstler:innenkollektiv mit Sitz im Kongo, in Deutschland und der Schweiz. Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die historischen und aktuellen wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen zwischen diesen drei Ländern zu reflektieren und performativ aufzuarbeiten. Nun stellen sie die Wax Prints ins Zentrum eines aufwühlenden Musiktheaterabends. Die Stoffe werden zum Veranschaulichungsgegenstand einer Geschichte der Globalisierung und der kolonialen Herrschaft über den afrikanischen Kontinent, in der auch die Schweiz ihre Rolle spielt. «Wax Traders» von den Autorinnen Eva-Maria Bertschy und Edwige Dro erzählt die Geschichte dieser Textilien aus einer hochrelevanten Perspektive und macht ein Stück Schweizer Kolonialgeschichte sichtbar.