Durchaus geniessbar: Der Burger von Nicolas Bernière.
zvg
«Cut it!»: Im Kunsthaus Zofingen dreht sich alles um Papier und Karton, Schere und Japanmesser.
Stellen Sie sich ein Blatt Papier vor – wie es hingelegt oder weitergereicht wird, ein unscheinbarer Alltagsbegleiter. Mit etwas Glück könnte es aber auch bei Nicolas Bernière, Ursula Rutishauser oder Bruno Weber landen. Sie verwandeln Papier durch Schnitte in Kunst: Die aktuelle Ausstellung «Cut it!» im Kunsthaus Zofingen taucht das Alltagsmaterial in ein neues Licht. Mit ihren vielseitigen Schnittwinkeln bewegen sich die drei Künstler*innen zwischen traditionellem Handwerk und zeitgenössischer Kunst.
Ja, die klassische Scherenschnitt-Technik gibt gewisse Bahnen vor, aber Bruno Weber legt lieber neue Spuren: Er arbeitet konsequent mit dem Messer und gilt als Pionier des Papierschnitts. Der Künstler gestaltet fast ausschliesslich in Schwarzweiss, bricht mit Symmetrien, spielt mit Licht und Schatten. Im Kunsthaus präsentiert er verschiedene klein- bis mittelformatige Papierschnitte der letzten Jahre.
Wer Ursula Rutishausers Schnitte betrachtet, staunt: Unglaublich fragil und präzis ist das alles, ein Spiel mit Finessen. Im Kunsthaus gestaltet sie im Obergeschoss eine Hommage an Frauen: Die fortlaufende Arbeit «Respect» versammelt nachgeschnittene Kleidungsstücke weiblicher Protagonistinnen. Im Zentrum des Saals steht auf einer Tafel alles bereit für eine grosse Gesellschaft: Teller, Gläser, Flaschen, Servietten, Mahlzeiten – alles aus Papier.
Das Kulinarik-Motiv zeigt sich auch in Nicolas Bernières Kunst: Auch er gestaltet Objekte, die mal klein wie Hamburger sind. Oder gross wie ganze Zimmer: Startpunkt sind ausgediente Kartonschachteln, die sich in seinem Atelier stapeln. In Zofingen bespielt er das Erdgeschoss mit drei thematischen Räumen – Wald, Kinderzimmer, Atelier – die sich visuell zu einer Wunderwelt zusammenfügen. Seine Kartonkunst wandelt durch die Gestalten: Sie ist ein Vogel, wuchert als Liane, wird zum Möbel.