Der falsche Weg

Von
Ruedi Bürgi und Oliver Dredge

Eine Motion im Grossen Rat verlangt eine Umverteilung von Teilen der Swisslosgelder zugunsten des Sports. Dies zulasten der Kultur und anderer vom Swisslos-Fonds Begünstigten.

Kultur und Sport sind gleichermassen tragende und verbinden de Bestandteile des individuellen und des gesellschaftlichen Lebens. Sie bereichern in vielfacher Hinsicht und sind ein unverzichtbarer Teil des sozialen Zusammenhalts. Die staatliche Förderung in den Kantonen erfolgt zu einem be deutenden Teil über die Ausschüttung von Erträgen aus den Lotterien und Sportwetten. Die dem Kanton Aargau zu kommenden Beträge werden nach einem vom Regierungsrat festgelegten Schlüssel verteilt.

Nachdem bereits 2019 eine Verlagerung zugunsten des Sports erfolgt ist, verlangt die Motion eine erneute Verschiebung der namhaften Beträge. Der Regierungsrat lehnt den Vorstoss ab. Der Grosse Rat wird an einer der nächsten Sitzungen darüber befinden.

Die Kultur benötigt die Mittel

Aus dem Swisslos-Fonds werden auf Antrag hin Beiträge an grosse Institutionen wie an kleine Vereine und Museen ausgerichtet. Die Unterstützung erfolgt im professionellen Bereich ebenso wie in jenem der Laienkultur. Jährlich dürfen davon über 400 Projekte profitieren. Die beantragte Umverteilung würde jedoch bedeuten, dass der Kultur jedes Jahr über 3 Mio Franken an Mitteln entzogen würden, ein herber und nicht zu rechtfertigender Verlust.

Ellbogenkampf um denselben Topf

Es mutet wie ein Denkfehler an, dass für die Erreichung höherer Beiträge für den Sport in Kauf genommen wird, dass auf Seiten der Kultur nicht minder benötigte Leistungen abgezwackt werden. Die Aktion kommt einem Ellbogenkampf ohne Rücksicht auf die gegenseitigen Bedürfnisse gleich.

Oder mit klaren Worten: Die Kultur wird zugunsten des Sports geschröpft. Das ist der falsche Weg. Die Motionäre übersehen, dass das neue, am 1. Mai 2026 in Kraft tretende Sportgesetz für Sportprojekte von besonderem kantonalem Interesse die Möglichkeit schafft, auf ordentliche Mittel zuzugreifen, also ohne Verdrängung anderer zum Ziel zu gelangen.

Sie beachten zudem offensichtlich nicht, dass mit dem Vorstoss Gelder in Millionenhöhe der Kultur ersatzlos entzogen werden. Will der Grosse Rat das wirklich? Und sie sind sich nicht bewusst, dass damit die Realisierung von unterstützungswürdigen Projekten im Kulturbereich verunmöglicht würde, sowohl bei den grossen kantonalen Institutionen als auch bei kleinen lokalen Vereinen im Laienbereich, beides notwendige Pfeiler unserer Kulturlandschaft.

Auch hier die berechtigte Frage: Will der Grosse Rat das wirklich? Will der Kanton den Anspruch, Kulturkanton zu sein, aufs Spiel setzen? Die Motion mit der verlangten Umverteilung zeigt in diese Richtung. Dies ist definitiv der falsche Weg.

Für den Aargauischen Kulturverband AGKV, Ruedi Bürgi und Oliver Dredge, Co-Präsidenten

Swisslos-Beiträge für Kultur kürzen? Wie geht das mit dem Label Kulturkanton zusammen? Foto: KI-Collage