Haushaltswaage Inca, Hersteller: Injecta AG, 1940er-Jahre, Metall, Kunststoff, 21,5 × 16,5 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18983.
Was hat Gewicht? Eine Kartoffel, ein Stück Butter, ein Pfund Mehl – gewiss. Doch eine Waage erinnert uns daran, dass im Leben weit mehr auf die Waagschale gelegt wird als Lebensmittel. Wir wägen Entscheidungen ab, Hoffnungen, Verluste und Wünsche. Und immer wieder stellt sich dieselbe Frage: Wann ist es genug?
Die Haushaltswaage der Firma Injecta aus der Sammlung Museum Aargau stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie entstand in einer Zeit, in der Lebensmittel sorgfältig abgewogen wurden. Ihre robuste Metallkonstruktion, die mehrsprachige Beschriftung und ihre langlebige Ausführung zeugen von einem Alltagsgegenstand, der auf Beständigkeit ausgelegt war und weit über die Schweiz hinaus Verwendung fand.
Heute stehen wir vor einer neuen Herausforderung. Während manche im Überfluss leben, fehlt anderen das Nötigste. Lebensmittel werden bedenkenlos weggeworfen, obwohl vielerorts Hunger herrscht. Rohstoffe, Energie und Wasser sind keine unerschöpflichen Güter. Das richtige Mass wird damit nicht nur zu einer persönlichen Tugend, sondern auch zu einer gesellschaftlichen Verantwortung.
Die Waage zeigt weder zu viel noch zu wenig. Sie urteilt nicht. Sie sucht allein das Gleichgewicht. Vielleicht liegt darin ihre zeitlose Botschaft: Wohlstand bemisst sich nicht daran, möglichst viel zu besitzen, sondern sorgsam mit dem umzugehen, was uns anvertraut ist. Wer Mass hält, bewahrt nicht nur Ressourcen, sondern auch die Würde der Dinge und den Respekt gegenüber den Menschen, die weniger besitzen als wir.
Rudolf Velhagen, Leiter Sammlung und Konservierung bei Museum Aargau, erkundet an dieser Stelle die verborgenen Botschaften der Dinge. Rund 50'000 Objekte aus der kantonalen Sammlung warten auf ihre Befragung.