Das Prosaische und Feingliedrige am «harten Brocken»

Von
Verena Naegele

Die Bläsersolisten Aargau.

Musik der klassischen Avantgarde: die Bläsersolisten und zwei Gäste bei Seetal Classics.

Konzentriert und aktiv, hören statt leger geniessen, das fordern die Bläsersolisten Aargau in ihrem neuesten Konzert, das sie bei den Seetal Classics präsentieren. Das Bläseroktett von Strawinsky von 1923 sowie das 1925 vollendete Kammerkonzert von Alban Berg verlangen nach versierten Mitstreitern, was mit dem Pianisten Benjamin Engeli und der Geigerin Noëlle Grüëbler zweifellos gegeben ist; nicht zu vergessen Andres Joho als Dirigent.

Was bei der Uraufführung von Strawinskys Bläseroktett noch für betretene Stille gesorgt hatte, ist längst ein Standardstück geworden. Strawinsky verwendet in seinem Werk statt drei Holzbläserpaaren und zwei Hörnern, wie im klassisch-serenadenhaften Bläseroktett, je zwei Trompeten und Posaunen, dazu Flöte, Klarinette und zwei Fagotte. Damit erzeugt er eine sperrig-trockene, prosaische Musik, freilich mit vielen Überraschungen. Erinnert sei an die Variationen mit den vorüberhuschenden Reminiszenzen an Marsch und Walzer, oder die jazzigen Anklänge an die «goldenen Zwanziger» im 3. Satz.

Danach erklingt mit Alban Bergs Kammerkonzert, das er seinem Lehrer Arnold Schönberg widmete, ein «harter Brocken» (Adorno). Das Kammerkonzert entstand gleichzeitig mit Bergs berühmter Oper «Wozzeck». Wie dort zeigt sich Berg als phänomenaler Komponist, der eine feingliedrige Klangästhetik mit rigiden Zwölfton-Strukturen zu vereinen weiss. Berg stellt den solistisch auskomponierten Instrumenten Violine und Klavier stolze 13 Bläser gegenüber! Im Kammerkonzert spielt zuerst jedes Soloinstrument allein mit den Bläsern: im ersten Satz das Klavier, im Adagio-Mittelsatz die Violine. Spannend ist, wie die Soloinstrumente neue Klangfarben ins Geschehen bringen und sich so gegen die Übermacht der Bläser behaupten können. 

Im Rondo-Finale konzertieren dann Violine und Klavier zusammen mit den Bläsern. Mit dem phänomenalen Benjamin Engeli am Klavier und der ebenso gefeierten Noëlle Grüëbler (Violine) konnten zwei klingende Namen für die Solopartien gewonnen werden. Auf konzentriert Hörende wartet ein spannender Konzertabend.

SEON Ref. Kirche, So, 26. April, 17 Uhr