Unsere Autorin Eva Seck sucht Orte der Kunst auf und eröffnet ein Ratespiel: Wo sind wir hier?
Die gelbe Fassade leuchtet mir fröhlich entgegen, und dass ich in einer Brückenstadt (ganze 11 Brücken verbinden die verschiedenen Uferseiten) über einen kurzen Holzsteg in den Kunstraum gelange, scheint mir eine logische Bedingung. Türe auf, Treppe runter in das schmale Altstadtgebäude.
An den Wänden betrachte ich Fotografien von verlorenen Socken, die auf den ersten Blick etwas Rührendes haben, weil sie ohne ihre Besitzer*innen verloren und ungeliebt wirken. Einige Socken wurden von aufmerksamen und fürsorgenden Menschen säuberlich über Geländer und auf Bänken drapiert, in der Hoffnung, sie fänden ihren Weg an die passenden Füsse, zu ihrem passenden Gegenstück zurück. Rosarote und gestrickte Kindersocken wecken in mir aber auch beklemmende Erinnerungen an Bilder von Menschen auf der Flucht.
Die Fenster in den Treppenaufgängen eröffnen eine Aussicht auf das Dächermeer der Altstadt; auf moosbewachsene Schindeln, auf grüne Hänge dahinter, und darunter die verlockende Ahnung des grünen Flusses, der die Stadt teilt. Seinen verspielten Namen hat das Haus von einem Künstler, der hier einst lebte und arbeitete. Ein Leben für die Kunst, welches, so erfahre ich, nicht einfach gewesen sein musste.
Der Künstler galt, trotz seiner Heimstätte mitten in der Altstadt, als Aussenseiter. Sein Haus wird jetzt von zeitgenössischer Kunst bewohnt und von Künstler*innen bespielt, die sich mit der Region verbunden fühlen.
Eine Treppenverbindung weiter unten empfängt mich ein kleinteiliges phantastisches Gebäude, das Schatten wirft und mit liebevollen Details zum genauen Hinschauen verführt. Durch die schmalen Fenster in der Mauer blicke ich auf den Gehweg, und nun weiss ich, dass ich ich im Parterre angekommen bin. Auf den schwarzen Bodenplatten liegen Bilder, deren Motive sich wie mit Magie bewegen. Das empfindliche Strichmännchen an der Wand gibt mir mit lautem Piepsen zu verstehen, dass ich ihm zu Nahe getreten bin. Excusez-moi, monsieur, je m’en vais.
WO SIND WIR HIER?
Im ganzen Aargau verteilt finden sich Galerien und Kunsträume. Eva Seck besucht sie für uns und schreibt ein poetisches Rätsel. Haben Sie herausgefunden, wo sie dieses Mal war? Die Auflösung finden Sie exklusiv in der Printausgabe.