Pop mit elektronischer Klarheit: Odd Beholder.
zvg
Zeitkritischer Indie Pop: Odd Beholder tauft ihr neues Album «Honest Work» im Royal Baden.
Ein Konzert, das sich nicht aufdrängt, sondern einschreibt. Hier passiert nichts plötzlich, aber sehr viel gleichzeitig: Reduktion trifft auf Spannung, klare Beats legen den Puls, kühle Synthflächen schichten sich, ziehen sich zurück, bevor sie sich entfalten. Die Musik bewegt sich zwischen elektronischer Klarheit und schwebenden Melodien – präzise gebaut und doch porös. Über all das gleitet Daniela Weinmanns Stimme – ruhig, sachlich, ohne Pathos. Sie führt, ohne zu fixieren, lässt stehen, was nicht aufgelöst werden kann.
«Honest Work» ist düster-warmer Indie Pop über den Druck der Gegenwart, Selbstoptimierung und die leise Erschöpfung einer Generation. Live bekommen die Stücke Raum. Sie dehnen sich, wiederholen sich, verschieben sich. Es ist eine Musik, die sich Zeit nimmt und damit etwas behauptet, das unter Druck geraten ist: Aufmerksamkeit. Nicht als Geste, sondern als Praxis. Als etwas, das hergestellt werden muss – im Hören. Dabei wird das Royal zum Resonanzraum. Nicht zu gross, nicht zu klein. Nah genug. Ein Ort für Zustände, für das, was zwischen den Tönen liegt und sich nicht sofort zeigt.
Unterstützt von Marlena Käthe, deren ätherische Folklore- und Art-Pop-Elemente die Räume erweitern, entsteht ein Abend wie eine Klangarchitektur: verletzlich, klar, durchlässig. Jede Wiederholung, jede Verschiebung, jede Stille zählt. Und plötzlich ist das, was auf der Bühne passiert, alles, was mensch braucht.
BADEN Royal, Fr, 22. Mai, 21.30 Uhr