Sounds

Akkord(eon)istische Erkundungen

Von
Beat Blaser

Jaco Ackermann (Akkordeon), Fiona Busse-Grawitz (Gesang) und Stephan Athanas (Bass).

Musikalische Neuentdeckungen: Stephan Athanas startet mit seinen Carte-Blanche-Konzerten.

Rundum sind die Medien voll mit KI und mit dem, was diese mit uns und unserer Umwelt anstellt. Auch in der Kultur scheint niemand davor gefeit zu sein, dereinst von der künstlichen Intelligenz wegrationalisiert zu werden, Schauspielerinnen, Schreibende, Musiker. Da hilft es vielleicht, sich wieder einmal auf das ehrliche Handwerk zu besinnen, auf selbst geschriebene Texte, lebendige Schauspielerinnen und Musik, die auf richtigen Musikinstrumenten von Hand und im Schweisse des Angesichts produziert wird. Einfacher allerdings wird es nicht, solches unter die Leute zu bringen, angesichts der algorithmisierten KI-Server. Sich selbst eine Bühne schaffen! – Das Rezept, das seit Arnold Schönbergs «Verein für musikalische Privataufführungen» gilt, hat sich auch der Aarauer Bassist Stephan Athanas zu eigen gemacht. 

Sein neuster Streich sind Carte-Blanche-Konzerte in Aarau und Muri, und die Carte Blanche gibt er natürlich sich selbst. Zwischen September und April gastiert er jeden Monat mit unterschiedlichen Bands in Muri und in Aarau. Da sind junge Musiker*innen dabei wie die Sängerin Fiona Busse und die Pianistin Anahita Gut. Beide lernte Athanas an der Hochschule Luzern kennen, er als Dozent, sie als Studentinnen. Dazu hat er ein Talent auf einem im Jazz eher ungewöhnlichen Instrument entdeckt, dem Akkordeon. Zusammen mit Jaco Ackermann erkundet er die Möglichkeiten der Kombination Akkordeon-Bass in Musette und Tango, aber auch in weniger traditionellen Sounds wie Drumʼn’Bass.

Stephan Athanas ist seit Jahrzehnten im Aargau und weit darüber hinaus als Musiker tätig, in dieser langen Zeit haben sich Freund und Partnerschaften ergeben, die er in seiner aktuellen Konzertreihe wieder aktiviert. Da sind zum Beispiel die Gitarristen Marco Figini und David Wildi, völlig unterschiedlich agierend und bei uns nicht oft zu hören. Oder das Aarauer Urgestein Erich «Joey Oz» Fischer mit seinem Vibraphon, oder Peter Schärli, oder Saxophonist Raphael Baier. Mit ihnen allen hat Athanas in den letzten Jahrzehnten gespielt, zu seinem Vergnügen, aber auch zu demjenigen seines Publikums, denn es sind zumeist schöne Klänge, die er sucht und findet, zugängliche, aber nicht minder kunstvoll gemachte.

Stephan Athanas’ Carte-Blanche-Konzerte sind also ein zweifacher Gewinn. Er kann seine garantiert nicht KI-generierte Musik einem Aarauer und einem Murianer Publikum präsentieren, und dieses hat die Chance, einem ideenreichen Musiker bei seiner Hand- und Kopfarbeit zuzuschauen.

Carte Blanche Stephan Athanas

Freitag, 23. Oktober 2026

20:00 Uhr

Swiss Jazz mit Stephan Athanas

Samstag, 24. Oktober 2026

20:00 Uhr
Kino Mansarde
Muri