«Wir fangen den Baum und er fängt uns»

AUSSTELLUNG Das Kunsthaus Zofingen zeigt in seinem Jahresprogramm «Von Wurzeln zu Wolken» drei Ausstellungen mit Bezug zur Natur. Die Gruppenausstellung «Baumfänger» macht den Anfang.

TEXT Gianna Rovere BILD Daniel Schmid

«Wir starten unter der Erde, bei den Wurzeln», erklärt die Kuratorin Claudia Waldner. «Alle ausgestellten Arbeiten haben etwas traumhaftes, hinterfragen die Symbiose zwischen Mensch und Natur und untersuchen deren Abhängigkeiten. Wir fangen quasi den Baum und er fängt uns.» Die vier künstlerischen Positionen beschäftigen sich alle mit Bäumen und zeigen jeweils neue Arbeiten: Der Bildhauer Beat Breitenstein, das Künstlerduo Com&Com und die Künstlerinnen Marianne Engel und Victorine Müller. Letztere installiert im Kunsthaus Zofingen eine komplexe Rauminstallation, in der sieben neue Videos rund um ein transparentes Luftobjekt in einen Dialog treten. Sie sind in Göschenen entstanden und gehen den Spuren des Mystischen in der Natur auf den Grund. Die Performancekünstlerin erscheint als das Wesen Mensch, das auftaucht und verschwindet, aber stets im Hintergrund bleibt. Über die Dramaturgie der Projektionen und das baumförmige Objekt legt sich eine Soundcollage, die auch ausserhalb Müllers Installation zu hören ist. Auch im abgedunkelten Raum, wo Marianne Engel ihre fluoreszierenden Objekte arrangiert hat. Die in Mandach geborene Künstlerin forscht an der Schnittstelle zwischen Natur und Kunst und legt einen Fokus auf das Erdreich und seine Bewohner*innen.


Gefällte Kunstskulptur

Von der Erde weg geht es im oberen Stock: Im grossen Tanzsaal ersetzt die Installation eines hängenden Wurzelwerks von Com&Com den Kronleuchter. Die beiden Künstler Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger machen seit 2012 mit dem Kunstprojekt «Bloch» auf sich aufmerksam. Gemäss der Appenzeller Tradition ersteigerten sie den Stamm der letzten gefällten Fichte des Winters – Bloch genannt – und gingen mit ihm auf Reisen durch verschiedene Ausstellungen, Länder und Kontinente. Die Dokumentation ist in Zofingen zu sehen, jedoch nicht der Baum selber, da er sich gerade in Südamerika befindet. Dafür steht vor dem Kunsthaus eine 178 Jahre alte Eiche, die vom Künstler Beat Breitenstein nach dem Fällen als Kunstskulptur «Das Leben geht weiter» eine neue Bedeutungsebene bekommen hat. Er thematisiert damit auch die Vergänglichkeit und das (Über-)Leben von Wurzeln im Kunstkontext. 

 

ZOFINGEN Kunsthaus, 15. August bis 11. Oktober