Wider die Stille

Auch wenn die Tore der Aargauer Kulturlokale für die Öffentlichkeit vorerst geschlossen sind, bleibt es in den Räumen alles andere als still. AAKU blickt hinter die Kulissen zweier Aargauer Kulturhäuser.

TEXT Philippe Neidhart BILD Samuel Morris

Der Basler Musiker Manuel Gagneux.

Schummrig rotes Licht erfüllt den Saal des Royals in Baden, die Bühne ist von Scheinwerfern hell erleuchtet - dort steht der Basler Multiinstrumentalist Manuel Gagneux, kreativer Kopf hinter der Band Zeal & Ardor und Birdmask. Nur das Publikum fehlt. Stattdessen hat der Musiker den ganzen Raum fast ganz für sich, gerade mal ein kleines Team des Exit-Filmkollektivs ist mit von der Partie, um die Livesession festzuhalten. Das war Mitte Januar.

Kuratierte Gastspiele

Gagneux war der Erste, der vom Royal für mehrere Tage als Artist in Residence verpflichtet werden konnte – weitere sollen bald folgen: "Unser Hauptanliegen ist es, dass das Kulturlokal nicht leersteht", sagt Anina Riniker vom Royal-Team. Nicht zuletzt deshalb, weil sich vor nicht allzu langer Zeit unzählige Menschen für das Weiterbestehen und die Finanzierung der Location eingesetzt haben. Zusammen mit INOX live entschloss man sich deshalb, den Raum während der coronabedingten Zwangspause ausgewählten Künst­ler*innen zur Verfügung zu stellen. Bewerben kann man sich dafür allerdings nicht, die Artists in Residence werden vom Royal und INOX live kuratiert – so besteht auch nicht die Gefahr, jemandem absagen zu müssen. Derzeit steht ein Gastspiel der Bieler Band Puts Marie auf dem Programm – dem Quintett ist das Lokal von mehreren Auftritten bereits bestens bekannt.

Auch ausserhalb des Hauses bemühen sich die Royalist*innen gegen den Kulturstillstand. Wie bereits im ersten Lockdown sollen die Schaukästen beim Lokal künstlerisch bespielt werden. Zudem wird der frei gewordene Platz im gedruckten Monatsprogramm an Künst­ler*innen vergeben, um sich schriftstellerisch betätigen zu können.

Unterstützung durch die Stadt

Wagen wir nun einen Blick hinter die Kulis­sen des Aarauer Kiffs. Ursprünglich plante das Kulturlokal, im Januar mit einer beschränk­ten Anzahl sitzender Gäste wiedereröffnen zu können – doch dann kam der Lockdown: "Die Sofas und Stühle stehen noch immer im Saal", so Programmleiter Claudio Keller. Keine Konzerte, kein Barbetrieb, keine Partys. Trotzdem will der Kulturbetrieb den Künstler*innen etwas bieten: "Inspiriert wurden wir von der Luzernen Schüür", erzählt Keller, "das Konzerthaus stellt seine Räumlichkeiten bereits seit November als Probehaus zur Verfügung."

So entschloss sich das Team, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen – und ging dabei noch einen Schritt weiter. "Wir suchten den Kontakt mit der Stadt, um den Künst­ler*innen zusätzlich eine finanzielle Unterstützung bieten zu können." Diese willigten ein, und so erhalten die ausgewählten Künstler*innen während ihres Aufenthalts im Kiff von der Aarauer Kulturabteilung einen finanziellen Zu­stupf. Geld, das sie dringend brauchen können, denn Auftritte gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen vieler Kulturschaffenden. Anfang Februar folgte sodann die Ausschrei­bung.

Auf den Aufruf haben sich bereits rund 30 Bands und Künstler*innen gemeldet: "Wir waren über die rege Nachfrage schon ein wenig überrascht, das Ganze war ja sehr kurzfristig", freut sich Keller. So existiert bereits eine Warteliste. Bei der Auswahl legt das Team des Kiffs Wert auf Diversity, auch ein Bezug zu Aarau und ein gewisses künst­lerisches Potenzial sind ihnen wichtig: "Die Residency ist zwar nicht an einen Output gebunden, doch sie sollte den Künstler*innen einen Mehrwert bringen." Diese können die Räumlichkeiten des Kulturlokals zwischen drei und fünf Tagen nutzen, dazu gehört auch die ganze technische Infrastruktur. Dafür stellt das Kiff eigens Personal bereit: "So können sich die Residents voll und ganz ihren Projekten widmen, ohne sich um die Technik kümmern zu müssen."