Wassergeschichten und Bombenstimmung

BÜHNE Das Thik holt sein Jubiläum nach: Künstler*innen bespielen verschiedene Orte in Baden. Überraschungen garantiert.

TEXT Daniel Vizentini BILD zvg

Nicole Knuth erzählt aus den bichselschen Kindergeschichten.

Kaum von jemandem bemerkt, war unter den vielen Veranstaltungen, die Corona bedingt abgesagt werden mussten, auch ein für die Kultur in Baden bedeutsames, rundes Jubiläum: Das Theater im Kornhaus (Thik) hätte vor einem Jahr seinen 30. Geburtstag gefeiert. Angedacht waren freie Darbietungen in allen möglichen Ecken der Stadt. "Thik unterwegs" wollte Theater nach draussen unter die Leute bringen. Und das wollen die Veranstalter*innen immer noch: Mit etwas Verzögerung wird Baden, ganz unverhofft, dieses Jahr doch noch zur Theaterstadt. Vom 3. bis zum 21. Mai feiert das Thik seinen nun 31. Geburtstag.

Von Montag bis Samstag finden in der Stadt täglich mehrere kleinere Performances statt. Bespielt werden Orte wie der Bahnhof-, Schlossberg- oder Cordulaplatz, aber auch ungewöhnliche Lokalitäten wie der Promenadenlift, verschiedene Schaufenster in der Altstadt, das Reisebüro beim Stadtturm oder gar die Limmat.

Von der Webermühle und bei der Limmatpromenade wird sich Schauspielerin Nicole Knuth auf einem Boot treiben lassen und ihre "Wassergeschichten" präsentieren. Dieselbe Route wird auch der junge Musiker Dejan Škundrić auf seinem Akkordeon musikalisch inszenieren und sich dabei von der Bewegung des Bootes und des Flusses leiten lassen. Jeweils zu Mittagszeit werden beide Künstler*innen zudem ihr Programm "Besinnliches zur Feier des halben Tages" in der Reformierten Kirche vorführen. Gerade diese Darbietungen gehören für Markus Lerch, Co-Leiter des Thik, zu den Höhepunkten der Feier.

Insgesamt werden es 22 Produktionen von 5 bis 30 Minuten Länge sein, die in den knapp drei Wochen bis zu zehn Mal wiederholt werden. Neben Theater- oder Musikdarbietungen bietet das Festival auch theatralisch inszenierte Lesungen: Nicole Knuth erzählt aus Kindergeschichten von Peter Bichsel, Schauspieler Ingo Ospelt hält Festreden aus alten Texten – oder er wandert durch die Stadt und offenbart der Öffentlichkeit allerlei Anekdoten zum Thik.

Das Tanztheater Baden zeigt Ausschnitte seiner aktuellen Produktion. Im Kino Orient werden Videoperformances von Claudia Carigiet und Jürg Kienberger gezeigt. Philipp Galizia hält Dankesreden unter dem Motto "Keine Feier ohne Geier". Max Merker und Christoph Rath halten im kleinen Schaufenster in der Mittleren Gasse ihre humorvolle "Doppelconférence", Vivianne Mösli und Christoph Gantert senden derweil aus ihrem imaginären Radiostudio in der Weiten Gasse. Für die explosivste Darbietung sorgen Lukas Roth und Andrin Winteler mit ihrer Tischbombenwerkstatt – "Bombenstimmung" sei garantiert.

Das Herz des Festivals dürften aber die Feierabendperformances bilden, jeweils abwechselnd in der Kajüte, im Rebstock, beim "Grosseltern"-Magazin an der Kronengasse und zu guter Letzt beim Thik an der Limmat. Nur die Schlussfeier ist im Thik, alles andere findet absichtlich "möglichst dezentral" statt, wie Markus Lerch sagt. "Die Idee ist, dass Theater sichtbar wird und dass in der Stadt etwas passiert."

Dass das Festival wieder abgesagt werden muss, kann man praktisch ausschliessen: Dadurch, dass fast alle Veran- staltungen draussen stattfinden, gelten die Coronaauflagen als erfüllt. Bei grösseren Zuschauermengen werden Verantwortliche vom Thik um die Sicherheitsabstände und die Einhaltung des Schutzkonzepts bedacht sein. Damit kehrt das Kulturleben in die Stadt zurück. Ein weiterer Grund zum Feiern.

BADEN diverse Orte, 3. bis 21. Mai