Vom Fruchtwasser bis in die Weltmeere

BÜHNE Derzeit ist ein neues Wasserschloss entstanden: Im Forum Schlossplatz fliessen auf kultureller Ebene Aare, Reuss, Limmat und Rhein zusammen. Eine Ausstellung über den Fluss als literarische Inspirationsquelle.

TEXT Michael Hunziker BILD Chris Iseli

Gastkuratorin Christa Baumberger hinter einer Wand aus Wasser.

Ein erster Sog ist bereits vor dem Forum Schlossplatz spürbar: Einer Fischtreppe gleich zeigen auf 37 liegenden Betonschwellen gedruckte Worte die Fliessrichtung an: Vom Fruchtwasser aus zieht es die Besucher*innen bis ins Sprudelwasser, durch das begehbare Gedicht "Wasserinventar" von Ilma Rakusa hinein in die Ausstellungsräume von "Im Fluss". Als Wassergeborene kehren wir also gewissermassen in jenes Element zurück, das für so manches literarische Werk und schriftstellerische Schaffen eine Inspirationsquelle war und ist.

Über Grenzen hinaus Gastkuratorin Christa Baumberger hat in mehrjähriger Recherche in verschiedenen Literaturarchiven den Bezug von Autor*innen zu den genannten Flüssen untersucht. Herausgekommen ist, wie sie sagt, "keine rein aargauische Literaturschau, sondern eine explorative Ausstellung, die über Grenzen hinausweist".

Das ist nicht nur programmatisch zu verstehen. Neben literarischen Grössen mit Aargau-Bezug wie Klaus Merz, Christian Haller, Hansjörg Schneider oder Erika Burkart sind auch Positionen von anderen Autor*innen zu sehen und zu hören, wie etwa Zsuzsanna Gahse oder Silja Walter (von beiden auch bildnerische Arbeiten!).

Mäadrierende Gedanken

Eben, die Ausstellung beschränkt sich nicht auf reine Literatur, sondern ist interdisziplinär angelegt. So rudert der Konzeptkünstler Roman Signer in seinem mittlerweile zur Ikone gewordenen roten Kajak über die Weiler des Mittellandes, und Roman Sonderegger kartografiert auf seinen mit Flusswasser getauften Papierbögen die Wasserwege der Flüsse.

Durch Gedanken mäandrieren "Diese Interdisziplinarität passt gut zu uns", sagt Lena Friedli, Leiterin des Forum Schlossplatzes, die mit ihrem kunstkuratorischen Hintergrund Christa Baumbergers Vorhaben unterstützte. Im Hintergrund ist das Rasseln des Kieses am Grunde der Aare zu hören, und das Licht einer grünen Unterwasserwelt schimmert im Flur.

Die vielseitige Fülle des ganz unterschiedlichen Materials wurde von Simon Husslein umsichtig in Szene gesetzt. Seine Installationen lassen die Besucher*innen von Autor*in zu Künstler*in mäandrieren, und spätestens beim Blick durch ein Aquarium hinaus in den Garten fühlt man sich teil dieses Stromes – aus literarischen Gedanken und künstlerischen Bildern – und stellt auf Kiemenatmung um, um aus dieser fremdvertrauten Welt nicht auftauchen zu müssen.


AARAU Forum Schlossplatz
Bis 10. Januar 2021 


BEGLEITVERANSTALTUNGEN

Vom Silent Reading Rave über Konzerte bis zu Autor*innenlesungen: Das Forum Schlossplatz hat ein buntes Begleitprogramm mit vielen Veranstaltungen zum Thema Fluss und Literatur zusammengestellt. So führt etwa die Spazierreihe "Gegenstrom" in vier Etappen die Limmat aufwärts und bietet einzigartige Flusserlebnisse im Zusammenspiel von Literatur, Natur und Industrie (in Zusammenarbeit mit Einfach Zürich und dem Historischen Museum Baden).

Nächster "Spaziergang" ist am 21. Oktober: Es geht mit der Kuratorin Christa Baumberger und dem Historiker Walter Bersorger der Limmat entlang durch Baden zum Kraftwerk Aue. Im Anschluss spürt Johannes Glarner, Experte für innere Ruhe, in einer Kurzmeditation im Historischen Museum Baden den inneren Strom auf und legt ihn in Bezug auf Kreativität und Energie thematisch frei.


Das gesamte Programm: www.forumschlossplatz.ch