Viele Stimmen, flüsternde Bänke

An der diesjährigen Jahresschau des Aargauer Kunst- hauses sind neue und arrivierte Künst- ler*innen aus der Region (wieder) zu entdecken.

TEXT Verena Naegele BILD Thomas Kern

Ishita Chakraborty, «Exotische Pflanzen im Garten – Was tun?» (2022).

"Auswahl 22" heisst die Ausstellung im Aargau­ er Kunsthaus, die jedes Jahr im Dezember unter fast demselben Titel stattfindet - ändern tut sich jeweils nur die Jahreszahl. Die Rede ist von der Jahresausstellung Aargauer Kunstschaffen­der. Diesmal wurden nicht weniger als 185 Dos­siers eingereicht, von denen die Jury 46 Beiträge ausgewählt und mit einem Ausstellungsplatz und einzelne mit Werkbeiträgen geehrt hat. Der Event ist ein fixes Datum in der Aargau­ er Kunstszene, das zeigen auch klingende Namen wie Beat Zoderer, Rolf Winnewisser oder Esther Amrein, die bereits in der Samm­lung des Aargauer Kunsthauses vertreten und nun auch bei der "Auswahl 22" dabei sind.

Das Schöne an diesem alljährlichen Ritual ist, dass man stets auch Neues, Unbekanntes entdecken kann. Diesmal ist die gebürtige indische Künstle­rin Ishita Chakraborty, die seit einiger Zeit im Aargau lebt, als Gast eingeladen, da sie im letzten Jahr den Förderpreis der Kunsthausjury gewonnen hatte. Chakraborty ist längst keine Unbekannte mehr im Kanton. So war sie 2017 im Forum Schlossplatz zu sehen, wo sie in "Bet­ween" mit "gekratzten Zeichnungen" spannende Einblicke in ihr Schaffen gab.

Ihrer Kunst liegt immer auch eine politische Botschaft zugrun­de, so in "Mute Tongue", in der sie Stimmen in Porzellanscherben überträgt. Eine vielbeachtete Arbeit ist "Europa", in der Chakra­borty hunderte von farbigen Pilzen gestaltete, die im Austausch mit Geflüchteten und Migrant*innen entstanden sind und 2021 auch im Aargauer Kunsthaus zu sehen waren. Und mit "Whispering Benches" war sie im Mai dieses Jahres in verschiedenen Aussen­räumen im Aargau präsent, denn "Kunst ist für alle", so ihr Credo.

Im Gespräch verrät Chakra­borty, was sie im Aargauer Kunsthaus plant: "Ich zeige eine grossformatige Installation, die drei bänkeähnliche Strukturen mit eingebauten Klanginstal­lationen und Wandzeichnungen umfasst. Diese spezielle Installation konzentriert sich thematisch auf die Migration von Menschen und Pflanzen." Es ist also eine Weiterentwicklung ihrer bisherigen Arbeiten. Dazu passt, dass Chakraborty auch Bezug auf den Raum nimmt: "Ich arbeite lieber an ortsspezifi­schen Installationen, da dies die Art und Weise, wie wir einen Raum sehen, herausfordert. Ich gehe gerne an meine eigenen Grenzen und auch an die Grenzen der Men­schen."

AARAU Aargauer Kunsthaus Fr, 2. Dezember, 18 Uhr (Vernissage). Bis 2. Januar