Trüffel der Badener Kunst

Zum vierten Mal finden sich über 50 Kunstschaffende des «erweiterten Dunstkreises» vom Kunstraum Baden für eine gemeinsame Werkschau zusammen.

TEXT Gianna Rovere BILD Marianne Engel

Fly in Amber, 2020. Epoxydharz, rotes Nachleuchtpigment, Fundstücke

Schon etablierte Namen der Aargauer Kunstszene wie Marianne Engel oder Rolf Winnewisser mischen sich unter Newcomer*innen: Es geht aber nicht um die Jahresausstellung im Aargauer Kunsthaus, sondern um "Truffes und Trouvailles - Kunst aus der Nachbarschaft". Die diesjährigen Kuratorinnen Claudia Spinelli und Maria Bänziger haben ihre Fühler ausgestreckt, Mails geschrieben und Atelierbesuche gemacht, um den Kunstraum Baden mit Werken von über 50 Kunstschaffenden aus der Region zu bespielen.

Aus Platzgründen werden vor allem klassische Medien wie Gemälde, Zeichnung, Aquarell oder Fotografie gezeigt, aber es werden auch eine kleine Installation der kolumbianischen Künstlerin Viviana Gonzales Mendez und drei Videoarbeiten zu sehen sein." Der kuratorische Fokus liegt auf den Kunstschaffenden selber und bietet ihnen den Raum, auch Kostproben ihres Schaffens zu zeigen: Egal, ob ganz frisch fertig geworden oder schon etwas abgehangen und dafür gut gereift", erzählt Spinelli.

Die Ausstellung will die Neugierde eines diversen Publikums ansprechen und nicht ausschliesslich Menschen aus dem Kunstkuchen: Die Atmosphäre im Kunstraum ist immer sehr familiär, und die Ausstellungsmacherinnen hoffen, dass an den geplanten "Künstlertagen" auch mit Maske spannende Gespräche geführt werden können.

BADEN Kunstraum
Bis 31. Januar 2021


"Wir sind eine spannende Ergänzung!"

KUNST Gespräch mit Claudia Spinelli über die Kuration und die Idee einer etwas anderen Jahresausstellung - und die spannendste Entdeckung im Jahr 2020.

Wie ist die Idee zur Ausstellung von "Truffes und Trouvailles" 2013 zustande gekommen?

Claudia SpinellI: Ich habe gemerkt, dass ein grosses Bedürfnis der lokalen Künstler*innen da ist, Arbeiten zu zeigen und mit ihren Nachbar*innen, anderen Kunstschaffenden und dem Publikum in Kontakt zu treten. Ich als Kuratorin schnüffle alleine, oder dieses Jahr mit meiner Mitarbeiterin Maria Bänziger, in den Ateliers herum und wir tragen zusammen, was uns anspricht. Aber die Szene ist zu klein, um eine solche Ausstellung jedes Jahr zu organisieren. Daher findet sie in einem lockeren Rhythmus statt: Es ist nun schon die vierte!

Könnt ihr als alternative Jahresausstellung zur "Auswahl" im Aargauer Kunsthaus gelesen werden?

Nein! Ich glaube, das greift zu hoch, weil der Kunstraum Baden kleiner ist und viel weniger Mittel zur Verfügung hat, um die Kunstschaffenden und ihre Arbeiten ins beste museale Licht zu rücken. Die Werke werden sehr dicht gezeigt und müssen umso mehr nebeneinander funktionieren, was eine grosse Herausforderung ist. Ich würde sagen, wir sind keine Konkurrenz, aber eine spannende Ergänzung.

Die Kuration von 52 Kunstschaffenden stelle ich mir nicht gerade einfach vor.

Ja, es ist eine Herausforderung, aber auch toll! Wir haben die Auswahl ohne Jurierung getroffen und Künstler*innen eingeladen, die uns aufgefallen sind. Somit ist es auch niederschwelliger für die Kunstschaffenden, zum Beispiel unmittelbare Arbeiten um Corona oder auch kleinere und persönlichere Werke zu präsentieren.

Was ist die überraschendste "Trouvaille" dieses Jahr?

Es sind natürlich alle toll, aber hervorstechen tut vielleicht die kolumbianische Künstlerin Viviana Gonzalez Mendez, die erst frisch nach Baden gezogen ist. Sie hat eine alternative Kartografie für Baden als Installation entwickelt, die von indigenen Orientierungssystemen inspiriert ist: eine aus unterschiedlichsten Textilien collagierte Insel.

Interview von Gianna Rovere