Süsser die Glocken nicht klingen...

Der Advent – für die einen bedeutet er Tage der Vorfreude auf die grosse Bescherung, die aneren, naja, wünschen sich, er möge schnell vorbei gehen. Wir haben für alle etwas aus dem reichen Kulturprogramm im Dezember herausgesucht. Ho Ho Ho!

TEXT Michael Hunziker und Philippe Neidhart BILD Nelly Rodriguez

«Forever» beschwört in der Frage nach dem Jenseits eine kindliche Leichtigkeit des Seins.

Im Ende wohnt ein Zauber

TANZ Existentielle Tanz-­Trilogie: Die Bühne Aarau und das Kurtheater Baden zei­gen Tabea Martins Inszenierungen zu Sterblichkeit, ewigem Leben und Verlust. Eine sehr persönliche Geschichte. Im tragischen Dreieck zwischen der kindlichen Hoffnung auf Ewigkeit, den Erfahrungen des Verlusts und der Ahnung der eigenen Sterblichkeit ereignet sich unser Leben.

Damit müssen wir fertig werden - kleiner Trost: Dabei hilft die Kunst. Und wie diese Konfrontation mit dem Dunkeln und Schweren gelingen kann, zeigt die renommierte Schweizer Choreografin Tabea Martin (*1978) in ihrer Triologie: Mit viel Humor, Offenheit und inszenatorischer Kreativität verarbeitet sie einen persönlichen Schicksalsschlag, den frühen Tod ihres Lebens­gefährten Matthias Mooij.

Die drei unterschiedlichen Stücke sind im Rahmen einer Kooperation von Kur­theater Baden und Bühne Aarau zu sehen. Im ersten Teil steht Tabea Martin selbst auf der Bühne - und gewissermassen sich selbst als alterndes Subjekt gegenüber. Im Duett mit der Choreografin Simone Bertozzi entwickelt sie ein Spiegelspiel um die Themen Vergänglichkeit und Jugendlichkeitswahn - "This is my last dance" heisst die Produktion sinnigerweise.

Den zweiten Teil mit dem Titel "Forever" hat Tabea Martin aus Gesprächen mit Kindern zu ihren Vorstellungen zum Tod entwickelt. Das Stück richtet sich denn auch an ein junges Publikum. Aus den unbefangenen Ideen und Spekulationen zum Jenseits entsteht eine kindliche Leichtigkeit des Seins. Eine Komik, die für Jung und Alt an­ schlussfähig ist: Man stelle sich das heitere Treiben vor, wenn fünf Tänzer*innen Tränen aufsammeln und unterschiedliche Todesarten ausprobieren.

Im dritten Teil, "Nothing Left", bietet Tabea Martin eine grosse Besetzung auf: Was zunächst wie eine ausgefallene Modenschau anmutet, entpuppt sich als Persiflage auf unseren Umgang mit der Trauer. "Nothing Left" zeigt in einer raffinierten Kombination aus Bewegung, Musik und Text, wie wir uns trösten, besänftigen und sogar auf fast unangemessene Weise in die Ausweglosigkeit führen. Dorthin, wo wir uns früher oder später alle befinden. Und das gibt Halt. Von Michael Hunziker

AARAU Alte Reithalle, Mi, 7. Dezember, 20 Uhr (This is my last dance); Fr, 9. Dezember, 19 Uhr (Forever).
BADEN Kurtheater, Di, 6. Dezember, 19.30 Uhr (Forever); Di, 13. Dezember, 19.30 Uhr (Nothing left).

Zelluloide Teufelswerke

FILM In Johannes' Offenbarung wird er als grosser Drache beschrieben, als Schlange und Satan: der Teufel. Seit jeher dient der Antagonist Gottes als literarische und filmische Inspirationsfigur, so auch für die beiden Streifen, die im Dezember beim Royal Scandal Cinema zu sehen sind. Andrzej Żuławskis Diabeł (PL 1972) beschäftigt sich mit der preussischen Invasion Polens im Jahr 1793 - historische Elemente tref­fen auf religiösen Symbolismus, menschlichen Wahnsinn und Kritik an totalitären Systemen. Kein Wunder, dass der Film sowohl von der katholischen Kirche als auch vom kommunistischen Regime verteufelt wurde.

Genauso kontrovers ist auch Ken Russels Werk The Devils (GB 1971): Ein obszön-melodramatisches Bildfeuerwerk über Hexenwahn und Massenhysterie, dessen Visionierung an den Filmfestspielen von Venedig den Vatikan zur Weissglut trieb. Eingeführt werden die beiden Streifen durch den Filmwissenschaftler und Musiker Marcus Stiglegger, die italienischen Speed-Thrasher The Devils und Reverend Beat­Man liefern den passenden Soundtrack. Von Philippe Neidhart 

BADEN Royal, Do, 1. Dezember, 20.30 Uhr (Diabeł), Fr, 2. Dezember, 19.30 Uhr (The Devils).

Gleðileg jól oder frohe Weihnachten

SOUNDS Gerade einmal vier Stunden lässt sich die Sonne in der Weih­nachtszeit in Island am Horizont blicken, doch seit dem Jahr 2008 sorgen die Minimal-­Indie­-Folker Árstíðir in ihrer Heimatstadt Reykjavík mit einem speziellen Konzert jeweils für einen besonderen Lichtblick. Nun hat die Band diese Tradition auf Europa ausgeweitet und geht in den Wochen vor dem christlichen Fest mit ihrem Programm "Vetrarsól" (isl. Winterson­ne) auf Tournee. Die Mischung aus traditionellen isländischen und nordi­schen Weihnachtsliedern mit intimen Arrangements und mehrstimmigem Gesang ist die ideale Einstimmung für besinnliche Festtage. phn

AARAU Kiff Mi, 14. Dezember, 20.30 Uhr

Ready for take-off

SOUNDS The Airlettes und ihre Crew laden ein zu einer winterlichen Überseereise durch Swing­ und Jazz­Arrange­ments altbekannter und merkenswürdiger Weihnachtssongs. Die singenden Stewardessen und ihr musikalisches Board­ personal an Schlagzeug, Bass und Piano sorgen auf der "Underneath the Mistletoe"­-Tour mit einer geballten Ladung Energie, Humor und Charme für heitere Stimmung. Kommen Sie an Board und lassen Sie den Trubel der Festtagszeit bei Swing, Pop und Rockabilly für ein paar Stunden hinter sich. phn

SEON Forum, Fr, 9. Dezember, 20.15 Uhr

X-Mas-Konzert im Zeichen der Inklusion

KLASSIK Tschaikowskys "Schwanensee" trifft auf American Christ­massongs: Es geht also romantisch und sentimental zu und her am Weihnachtskonzert des Argovia Philharmonic. Keine Angst, kitschig oder selbstgefällig wird es nicht: Denn die Songs werden von der Soulsängerin und Queeraktivistin Brandy Butler gesungen, begleitet wird sie vom Chef­dirigenten Rune Bergmann an der Trompete. Dabei kommen beiläufig The­men aufs Tapet, die ganz gut zu Weihnachten passen: Inklusion, Nächsten­liebe, Gerechtigkeit. Zudem liest Schauspielerin Anna Präg weihnachtliche Geschichten. mh

MÖRIKEN-WILDEGG Gemeindesaal, Fr, 16. Dezember, 19.30 Uhr
BADEN Kurtheater, Sa, 17. Dezember, 18 Uhr