Sommerfestspiele am See

FESTIVAL Was es im August rund um den Hallwilersee braucht, ist Prachtswetter. Denn dann will «Wilhelmina – Fest der Künste»

für jede und jeden, egal welchen Alters, seinen Zauber entfalten. Hauptschauplatz dieser interdisziplinären Sommerfestspiele ist das Schloss Hallwyl.

TEXT Elisabeth Feller BILD zvg

Höre ich richtig? Ja. Argovia Philharmonie bespielen das Schloss Hallwyl.

Wilhelmina? Diesen Vornamen trug nicht nur die einstige Königin der Niederlande, sondern auch eine gebürtige Kempe aus Stockholm. Diese heiratete 1865 Walter von Hallwyl, der dem Schweizer Adelsgeschlecht der Hallwyl entstammte. Das Ehepaar kaufte Walters überschuldetem Bruder Hans das Schloss Hallwyl ab. "Unsere" Wilhelmina muss eine energische Person gewesen sein, denn "Die Schwedin", wie man sie im Seetal nannte, brachte die dringend notwendige Sanierung des Schlosses Hallwyl in Gang. Erst ordnete sie das Familienarchiv, dann liess sie das Wasserschloss von einem schwedischen Fachmann archäologisch untersuchen, und ab 1913 wurden die Gebäude restauriert. Das Inventar stellte sie dem Landesmuseum in Zürich zur Verfügung. Das Familienarchiv wiederum ist im Staatsarchiv in Bern untergebracht, wo die von Hallwyls Bürger*innen sind. 1925 richtete Wilhelmina von Hallwyl schliesslich eine Stiftung ein, mit dem Zweck, die Schlossanlage der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

"Ist das nicht eine tolle Familiengeschichte mit einer tollen Frau?", fragt Walter Küng, Schauspieler, Regisseur und künstlerischer Leiter von "Wilhelmina – Fest der Künste". "Bei diesem Namen kommt man ins Sinnieren, wenn man ihn erstmals hört", fährt der Badener fort und kommt auf das im August erstmals ausgerichtete Fest zu sprechen, das er bis 2023 programmiert. Im ersten Jahr steht es unter dem Motto "Adel", denn die Familie von Hallwyl hat das Leben während Jahrhunderten rund um den See geprägt. Im zweiten Jahr soll das Thema "Natur" aufzeigen, was es mit dem Hallwilersee als einem Ort der Ruhe, der Erholung und des schöpferischen Gestaltens auf sich hat; im dritten Jahr steht "Wirtschaft/ Ökonomie" im Vordergrund: Dann soll das Seetal als "Ort vergangener Industrie (Textil, Tabak)" vorgestellt werden.

Keine Frage: Das "Wilhelmina"-Projekt ist mit seinem aus der "Oper Schloss Hallwyl" hervorgegangenen spartenübergreifenden Format ambitiös und muss sich erst einmal im Aargau etablieren. Wichtig in diesem Zusammenhang: Die bis anhin gepflegte Zusammenarbeit für die "Oper Schloss Hallwyl" mit dem Argovia Philharmonic und dem Museum Aargau lebt weiter. Selbst wenn dem Schloss Hallwyl heuer eine zentrale Rolle zufällt, locken nicht minder weitere schöne Schauplätze wie das Schloss Brestenberg, der Hallwilersee, das Frauen- und das Männerbad Seengen, das Arbeiterstrandbad Tennwil; Schiffsanlegestellen sowie die Schiffe der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee.

Wer sich ins Programm vertieft, merkt: Der Kanton Aargau ist allgegenwärtig. Dies ist Walter Küng ein Herzensanliegen: "Der Einbezug und die Verbindung zu lokalen kulturell und künstlerisch tätigen Menschen ist wichtig, denn kulturelle Teilhabe schafft Identität und Motivation." Eine starke Beziehung zum Aargau haben beispielsweise Musikerinnen und Musiker aus den Reihen des Argovia Philharmonic und das Jugendsinfonieorchester Aargau, aber auch junge Tanzschaffende wie etwa Sina Friedli und Steven Forster, die in "Höfische Musik" auftreten. Stichwort jung: Walter Küng verweist auf Silvan Setz, dem die Produktionsleitung obliegt, sowie auf die Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), mit der es eine kontinuierliche Zusammenarbeit geben wird.

Eine schöne Rolle spielt auch eine junge Aargauerin mit Wurzeln in Windisch, die in die weite Theaterwelt hinausgezogen ist und dort Erfolge feiert: Lena Schmid. Sie entwirft die Ausstattung für Jacques Offenbachs Opéra bouffe "Eine Ehemann vor der Tür", die Walter Küng inszeniert. Die Geschichte um eine Hochzeitsfeier mit vielen nicht nur komischen Szenen erinnert an Mozarts Oper "Die Hochzeit des Figaro". Orchestral opulent angerichtet wird dieses Offenbach-Stück im Innenhof des Schlosses freilich nicht. Walter Küng freut sich, dass eine Fassung für vier Stimmen und Harmonium (musikalische Leitung: Andres Joho) gespielt wird. Bei einem Instrument soll es übrigens nicht bleiben. Mehr sei hier nicht verraten.

Weil das Motto "Adel" verpflichtet, lädt die Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee zu Fahrten ein, denn: "Der Adel besucht seine Untertanen". Wer Lust hat auf eine räumliche Expedition durch die Räume des Schlosses wird das Format "Höre ich richtig?" nicht verpassen wollen. Oder darf es das Familienwochenende mit einem Kinderprojekt und dem Pop-up-Konzert des Jugendsinfonieorchesters Aargau sein? Wie auch immer: Die Neugier auf das breit angelegte Projekt "Wilhelmina - Fest der Künste" ist geweckt.

HALLWIL Schloss und andere Orte
6. bis 29. August
Programm: www.wilhelmina-hallwil.ch