Skurrile Wirklichkeit(en)

In der Online­TV­Show «Foto à gogo. Hari zeigt Bilder» bespricht der Künstler und His­ toriker Simon Hari die skurrilsten und abenteuerlichsten Pressebilder aus dem Ringier Bildarchiv mit bekannten Schweizer Gästen. Das ist überraschend informativ. Und unterhaltsam.

TEXT Michael Hunziker BILD zvg

Simon Hari, Anchorman der Skurrilität.

FOTOGRAFIE Haben Sie sich schon mal gefragt, welcher Bundesrat 1971 am meisten Sex-Appeal hatte? Wohl kaum. "Foto à gogo" traut sich aber genau dies und stellt die Frage der queerfeministischen Aktivistin Anna Rosenwasser. Die Idee ist nicht ganz aus der Luft gegriffen: Ausgerechnet in dem Jahr, als das Frauenstimmrecht auf eidgenössischer Ebene vom Volk endlich angenommen wurde, wollte der "Blick" von seiner Leserschaft dasselbe wissen. Ein gefundenes Fressen für "Foto à gogo": Die Serie greift derartige Fussnoten der Geschichte auf und beleuchtet sie aus heutiger Sicht (Spoileralarm: Anna Rosenwasser hat bezüglich Sex-Appeal der Bundesräte die gleiche Einschätzung wie die "Blick"- Leserschaft vor 50 Jahren!)

Die Themen entstehen aus aktuellen Bezügen oder schöpfen direkt aus dem reichhaltigen Bildmaterial selbst, das kuriose Geschichten auf dem Silbertablett serviert. So lassen sich anhand eigenartiger Flitzerbilder aus den 70er-Jahren Aufstieg und Fall dieses Phänomens trefflich diskutieren (mit dem Fussball-Experten Mämä Sykora, VOL. II). Oder Sprengungen! Im Ringier Bildarchiv sind ohne Zweifel die schönsten Explosionen der Schweizer Geschichte dokumentiert. Heute werden Gebäude fein säuberlich nach Materialien sortiert abgetragen. Für die Umwelt ist das gewiss besser, für die Seele gibt es aber kaum etwas Schöneres als eine währschafte Sprengung! (mit Kabarettist Gabriel Vetter, VOL. III).