«Sich zu verlieben, ist überaus afrikanisch!»

Wanuri Kahiu gehört zur neuen Generation afrikanischer Geschichtenerzähler*innen. In ihrem neusten Spielfilm "Rafiki" verlieben sich zwei junge Frauen ineinander - unsterblich, scheu und fröhlich. Doch entgegen weitverbreiteten Gepflogenheiten und zum Entsetzen ihrer Eltern. Der Film aus dem pulsierenden Nairobi wurde in Kenia verboten und in Cannes hochgelobt. Die Regisseurin ist eine sanft sprechende, dezidierte Verfechterin von Demokratie und Menschenrechten. Unter dem Label Afrobubblegum arbeitet sie an einer frechen, fröhlichen und leichtfüssigen Darstellung von Afrika.

TEXT Kristin T. Schnider

Wanuri Kahiu, Sie sind in Nairobi geboren und aufgewachsen. Ihr Film "Rafiki" spielt auch dort. Wird darin etwas aus Ihrem eigenen Leben widergespiegelt?

Wanuri Kahiu: Alles, was ich mache, reflektiert den Ort, von dem ich herkomme, und die Welt, in der ich lebe.

Was hat sich seit Ihrem Aufwachsen, also seit den frühen achtziger Jahren, in Kenia bis heute verändert?

Wir leben nicht mehr unter einem Diktator. Das beeinflusst so vieles, das man gar nicht sofort bemerkt: die Art, wie Leute miteinander umgehen. Was erlaubt ist, zu sagen oder zu tun, hat sich verändert, und viele Gesetze wurden davon beeinflusst. Vor allem haben wir jetzt auch eine neue Verfassung.

Stellen Sie sich ein noch progressiveres Kenia vor? Zum Beispiel für Ihre eigenen Kinder, die jetzt drei und vier Jahre alt sind?

Ja. Ich finde unsere Verfassung gut. Sie ist stark. Wenn sie nur schon umgesetzt worden wäre! Kenia würde um so vieles besser sein. Doch es gibt noch viele koloniale Gesetze, die immer noch wirksam sind und geändert werden müssen. Das ist es, wofür ich mich einsetze. Ich trete eigentlich für ein Kenia ein, das so wird, wie es bislang auf Papier nur sein will.

Dass Ihr Film "Rafiki" trotz Verbot doch noch für einige Tage in Kenia gezeigt werden konnte, war ja nur möglich, da Sie die kenianische Filmbehörde verklagt hatten.

Genau, denn die in der Verfassung verankerte Ausdrucksfreiheit wurde missachtet.

Wie steht es mit dem Aspekt der Entkriminalisierung der Homosexualität, die doch ebenfalls verfassungsmässig garantiert werden sollte?

Dafür kämpfen andere Leute. Ich kämpfe momentan zusammen mit einer Gruppe, die Creative Economy Working Group, die aus verschiedenen Künstler*innen und Künstlerkollektiven besteht, für die Ausdrucksfreiheit. Jede sollte sich ihre Schlachtfelder sorgfältig auswählen und sich überlegen, was sie sich leisten kann.

Aber Sie sind in Kontakt mit den Mitgliedern der Nationalen Menschenrechtskommission für Schwule und Lesben, die unlängst beim Obersten Gerichtshof Klage gegen die Kriminalisierung der Homosexualität eingereicht hat?

Ja, absolut, und wir freuen uns sehr, dass es am 22. Februar nächsten Jahres einen Gerichtsbeschluss dazu geben wird.

Was erhoffen Sie sich davon?

Es ist super spannend, was zum Beispiel in Indien geschehen ist: Als dort im September die Homosexualität entkriminalisiert wurde, war das eine richtig widerhallende Geste. Es war ein Startschuss für all die so lange kolonialisierten Länder, endlich ihre archaischen kolonialen Gesetze zu ändern. 

In vielen Fällen waren es ja die Kolonialmächte, die mit ihren Gesetzen schwere Eingriffe in die Sexualität der Menschen zum Beispiel in Afrika vorgenommen hatten. Sie sagten einmal, die Idee, diesen Film zu machen, entstand, weil Sie nie gesehen hatten, dass in Afrika wirkliche Romantik in Filmen gezeigt oder in anderen Künsten dargestellt wurde.

Während der letzten acht Jahre, in denen ich Filme suchte, die afrikanische Liebesgeschichten zeigen, bin ich nur auf sehr wenige, begrenzte Storys gestossen.

Warum ist das so? Ist Sichverlieben nicht afrikanisch?

Das ist ja, was ich immer bemängle: dass Spass, Frivolität und Fantasie offenbar in afrikanischen Filmen keine Rolle spielen. Da wir Künstler*innen von einem bestimmten Teil der Welt kommen - also aus Afrika - sind wir, um unsere Werke machen zu können, auf Sponsoring angewiesen. Sehr oft sagen Geldgeber*innen: "Und, wie sieht es mit dem sozialen Effekt aus, den unser Geld bringen soll?" - sogar wenn es um die Künste geht!

Das ist also, was Sie auch schon "Poverty Porn" genannt haben, "Armutsporno". Dass am liebsten Filme unterstützt werden, die gemäss der Geldgeber*innen irgendeinen pädagogischen Wert haben oder mindestens von Aids in Afrika handeln sollten, um das westliche Bild von Afrika aufrechtzuerhalten ... ?

Ach. Und wie bemisst man denn die gesellschaftliche Wirkungsmacht des Sichverliebens?

Also ist es nicht "afrikanisch" ...

Sich zu verlieben, ist ein überaus afrikanisches Ding!

Hat diese fehlende Darstellung von Zuneigung wieder mit kolonialem Denken zu tun?

Ich schreibe es dem Mangel an Kunstförderung auf dem Kontinent zu.

Ist es so, weil Filmemachen besonders teuer ist? Oder woran könnte es auch noch liegen?

Als ich aufwuchs, sah ich keine Afrikaner*innen, die sich im Film verliebten. Es ist ja nicht so, dass wir uns nicht verlieben, aber unglücklicherweise zeigen wir uns nicht, zeigen nicht, wie wir uns verlieben. Wenn ich mir überlege, wie es früher war, kommt noch etwas hinzu: Vor der Kolonisation spielten die Geschichtenerzähler*innen eine grosse Rolle in unserer Gesellschaft. Aber danach verloren sie ihren Stellenwert und wurden nicht mehr auf die gleiche Weise respektiert, denn sie waren Teile des Alten, und das Alte wurde abgelehnt. Es gibt nicht viel Unterstützung für Künstler*innen. Sicher einmal nicht von Kenia. Die Leute denken, dass das eine Form von Luxus ist, weil man sich von Kunst ja nicht ernähren kann. Und so wird Kunst etwas für sehr sture Leute, Menschen, die man für reich oder auf eine Art für verrückt hält. Man denkt fast, es sei ein völlig verantwortungsloser Beruf. Und da ist diese grosse Tradition und Erwartung an eine Person, die Geschichten erzählt. Geschichtenerzähler*innen sollten den Reichtum des Landes besingen oder die Grossartigkeit der Führer und den sozialen Zusammen- halt der Gemeinschaft, was ja alles toll ist, aber da gibt es dann nicht mehr viel Raum, um kreativ zu sein.

Aber Sie nehmen sich ja diesen Raum mit dem Label Afrobubblegum, besingen die Leichtfüssigkeit, den Spass und das Lachen Ihrer Gemeinschaft.

Ja, genau das tue ich, ich betrachte das auch ganz klar als meinungsbildend und notwendig.

Nun zu "Rafiki" selbst. Der Film basiert auf der Kurzgeschichte "Jambala Tree" der ugandischen Autorin Monica Arac de Nyeko. Was faszinierte Sie, war das die Liebe, oder ging es um den Aspekt der Homosexualität?

Ich war und bin völlig begeistert davon, dass es in dieser Geschichte um Liebe geht.

Trotzdem: Wie beurteilen Sie weibliche Homosexualität in Kenia vor dem Hintergrund dieser strengen Gesetze? Wird damit anders umgegangen als mit männlicher Homosexualität?

Es gibt Unterschiede. Aber darauf möchte ich nicht eingehen, weil es vielleicht irreführend wäre und sehr persönlich. Wir müssen uns auch daran erinnern, dass wir erst wenige Generationen so leben wie heute. Meine Grosseltern lebten noch polygam. In der Tradition der Kikuyu war es Frauen erlaubt, Frauen zu heiraten. Viele Leute erklären das so, dass das zum Wohl der Kinder gewesen sei. Um Kinder zu haben und gemeinsam für sie zu sorgen. Der Gedanke, dass Frauen zusammen sind, ist nicht so fremd, und ich denke, dass es dafür eine allgemeinere Akzeptanz gibt als für ein Zusammensein von Männern.

Diese Tradition verstehe ich nicht ganz ...

Frauenheirat hatte vordergründig mit den Kindern zu tun. Etwas geht dabei aber vergessen: Denn das heisst doch, da war eine Beziehung, da waren Frauen zusammen in einer Ehe miteinander. Und die Sexualität wird völlig ausgelassen. Die Liebe wird völlig ausgelassen, weil es um Frauen geht.
Eine Beziehung - und vor allem verliebt zu sein in jemanden, das hat doch nicht nur mit Sexualität zu tun! Das ist, was mich wirklich aufregt. Immer, wenn wir über die lesbisch-schwule Gemeinschaft reden, setzen wir sie herab, wir sprechen immer über Sexualität. Wir kennen doch viele Zweierbeziehungen, die halten, fest sind, obwohl sie ewig keinen Sex hatten. Wenn wir also jetzt über diese Tradition sagen, es war nur für die Kinder, dann lassen wir die Beziehung zwischen den Frauen aus.

Das finde ich als Hintergrund auch für Ihren Film sehr interessant. Denn offenbar werden diverse Beziehungsformen verdrängt.
"Rafiki" ist ein Film, den Sie explizit für die Menschen in Kenia gemacht haben. Aber wegen des Verbots konnte er nur für eine Woche gezeigt werden. Wie waren die Reaktionen des kenianischen Publikums?

Aufgrund der Besucherzahlen glaube ich, dass sie den Film genossen haben. Jedes Kino in Nairobi war in der Woche, in der "Rafiki" gezeigt werden konnte, total ausverkauft. Wichtiger ist mir aber, dass sie den Film überhaupt sehen konnten. Wir müssen nicht mögen, was wir uns anschauen, aber wir müssen eine Wahl haben.

Der Film entfaltet sich vor dem Hintergrund eines kulturellen Wissens über Kenia. Kann ich denn zum Beispiel die Unterschiede zwischen den politischen Rivalen, den Vätern der beiden verliebten Mädchen, überhaupt richtig verstehen?

Die beiden sind aus verschiedenen Ethnien, da ist es wohl schwierig für Sie, die Nuancen und auch Spaltungen zu erkennen. Die Kenianer*innen spüren diese Nuancen in der Sprache, die leider immer verloren gehen in den Übersetzungen. Wir haben eine spezielle Art zu reden, gerade im Slang oder auf Suaheli, und das kann einfach nicht übersetzt werden, da muss man das nächstbeste Wort finden auf Englisch. Wir kommunizieren oft auch mit Lauten und nicht nur mit Worten. Jede Gemeinschaft hier hat ihre eigenen Klänge. Das alles rüberzubringen, ist das Grösste, was ich mir wünschte, tun zu können. Darum drehe ich auch gerne hier in Kenia oder generell in Afrika. Da gibt es so viele Unterschiede in der Art, wie wir kommunizieren, vor allem, wenn man sich überlegt, dass unsere Sprachen der Ursprung von etwa einem Viertel der Sprachen sind, die momentan in der Welt gesprochen werden. In unserer Art, zu sprechen, gibt es auch Wurzeln, die aus modernen Sprachen wegeditiert wurden.

Ist "Rafiki" auch so ein unübersetzbares Wort? Der Filmtitel wird ja als "Freundinnen" oder "Best Friends" übersetzt, und ich vermute einmal, dass die Wahl des Begriffs, weil es sich um diese verbotene lesbische Liebe handelt, auch ein wenig ironisch ist. Es gibt auch auf Deutsch kein Wort, das eindeutig ist, wenn man von einer homosexuellen Liebesbeziehung redet.

Rafiki ist ein arabisches Wort, das seinen Ursprung aber eher in Asien als in Afrika hat, weil Suaheli eine Handelssprache ist, die aus Arabisch und vielen anderen Sprachen zusammengesetzt ist.

Aber wird Rafiki in Suaheli einfach für "Freunde" verwendet im Alltag und ohne, dass viel dazu gedacht wird?

Ja, so ist es. Jemand sagte mir auch, dass sich das Wort "Rafik" eigentlich auf zwei Männer beziehe, die in einer Freundschaft sind.

Da man also nicht offen zugeben kann, in einer homosexuellen Beziehung zu sein, sagt man also: Rafiki.

... dazu muss ich erwähnen, dass wir keine Bezeichnungen für "sie" oder "er" haben. Wir sagen also nicht "er tat das, sie tat das", wir sagen "diese Person tat das". Wir haben also diese Nuancen von Genderunterscheidungen nicht, und das ist toll.

In Suaheli?

Ja, in Suaheli und in Kikuyu, in vielen Bantu-Sprachen ist das so.

Also sind diese Bantu-Sprachen eigentlich viel moderner als die, die ich hier in meiner europäischen Umgebung kenne ...

Vielleicht sind sie nicht modern, sondern nur älter ...

Ich habe "modern" absichtlich gesagt ...
Themawechsel, welche Erwartungen haben Sie an das europäische Filmpublikum?

Ich habe keine Erwartungen. Ich erwarte etwas von Afrika, nicht von Europa. Das heisst nicht, dass Europa mir egal ist. Ich hoffe, dass der Film gut ankommt, dass wir rüberbringen können, dass Liebe universell ist, nicht eingeschränkt und zugeteilt nach Region oder Grenze.
Europa hatte länger Zeit, sich mit Dingen herumzuschlagen, mit denen wir erst anfangen, uns vertieft zu beschäftigen. Europa hat mehr Zeit gehabt, Menschenrechte und Identität auf verschiedene Weise zu überdenken und zu berücksichtigen, als wir, die immer noch am Anfang unserer Auseinandersetzung damit sind. Das ist das Resultat unseres kolonialen Katers. Und daher gibt es unterschiedliche Erwartungen, und das ist der Grund, warum ich keine Erwartungen habe.

Gibt es noch etwas, worauf Sie speziell hinweisen möchten?

Die Liebe ist es, was so aufregend und inspirierend ist! Und dann gibt es noch zwei Dinge, die ich immer gerne sage, und das eine betrifft Afrobubblegum und den Grund, warum wir fröhliche Werke schaffen, die von unserem Kontinent her kommen, und Werke, die hoffnungsvoll sind: Es ist unglaublich wichtig für alle, Afrika als einen hoffnungsvollen, fröhlichen Ort zu sehen.

Werden gewisse Menschen nicht vielleicht sagen, dass Afrobubblegum so ein Mittelklasseding ist?

Das könnten sie absolut sagen, viele haben das über Kunst im Allgemeinen für lange Zeit gesagt ...

... so etwas Bourgeoises ...

Ja gut, in Ordnung - man kann das nennen, wie man will. Aber es ist notwendig, Dinge beim Namen zu nennen. Es ist wichtig, darüber nachzudenken, warum Freude politisch ist, und was wir eigentlich tun, wenn wir über das Streben nach Glück sprechen. Streben nach Glück, für wen? Und wer definiert Glück und auf wessen Kosten?

Aber gibt es nicht noch ein Vorurteil gegen Afrika und die afrikanische Diaspora: "Sie alle lieben es, zu tanzen und zu singen" - wird da nicht eine Art "Frivolität" vorausgesetzt, eine Leichtsinnigkeit eher als eine Unbeschwertheit? Die aber als Frivolität angesehen wird, als wären alle Kinder oder unverantwortliche Erwachsene, die lieber singen und tanzen, anstatt zu arbeiten?

Bei diesem Bild geht es eben nicht um eine intellektuelle Frivolität ...

Also nicht um eine eigenständige, kreative und bewusste Leichtfüssigkeit - weit weg von "Poverty Porn".
Und was ja auch noch zu Afrobubblegum gehört, ist, dass im Film auf herausragende afrikanische und afroamerikanische Künstlerinnen verwiesen wird.

Es gibt Verweise auf die südafrikanische Fotografin und Filmemacherin Zanele Muholi; und Werke der afroamerikanischen lesbischen Künstlerin Mickalene Thomas haben die Innendekoration der Wohnung, wo die eine der beiden verliebten Girls mit ihrer Mutter lebt, inspiriert. Thomas' Werk ist stupend, und sie benutzt Farben und Texturen auf wirklich erfrischende Art. Überhaupt leben wir in einer wirklich sehr farbenfrohen Stadt. Nairobi. Und wir liebten es, die Farbe als einen Teil der Filmsprache zu verwenden. Um die Stadt darzustellen. Diese Farben machen die Farbe des Films aus.


Wanuri Kahiu

Filmemacherin und Kämpferin für Menschenrechte

Wanuri Kahiu, 1980 in Nairobi, Kenia, geboren, wollte schon immer Geschichten erzählen. Sie gehört zu der kosmopolitischen und sehr selbstbewussten Generation afrikanischer Künstler*innen, die, um eine von ihnen, Chimamanda Ngozi Adichie, zu zitieren, nicht nur "die eine Story" eines aus nichtafrikanischer Sicht darbenden und hilfsbedürftigen Kontinents erzählen und schon gar nicht erzählen wollen. So sieht es auch aus in Wanuri Kahius Dossier, das aus bislang sechs Filmen besteht. Nach einem Managementstudium in England - das ihre Eltern empfohlen hatten, denn Kunst ist ja brotlos - schloss sie mit dem Master of Fine Arts die Film- und Fernsehschule der University of California in Los Angeles ab, wo sie auch an Grosspro- duktionen mitarbeitete. Zu ihren stets preisgekrönten Werken zählen unter anderem "For Our Land", ein Dokumentarfilm über die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai, und "Pumzi", ein ökokritischer Science-Fiction-Kurzfilm in einem Afrika der Zukunft. "Rafiki" ist ihr zweiter Spielfilm, eine mit viel Liebe, Geduld und Farbe gefilmte Adaption der Kurzgeschichte "Jambala Tree" der ugandischen Autorin Monica Arac de Nyeko. Wanuri Kahiu lebt, wenn sie nicht unterwegs ist, in Nairobi und Mombasa. kts


Zum Film

"RAFIKI" von Wanuri Kahiu, Kenia 2018

Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Hausfrauen ... doch Kena und Ziki wollen etwas anderes. Die beiden Teenager aus Nairobi sind dicke Freundinnen, halten zusammen und verlieben sich ineinander, was sie in ihrer konservativen Gesellschaft in Bedrängnis bringt. Kommt dazu, dass ihre Familien politisch entgegengesetzte Ansichten vertreten und ihre beiden Väter gerade mitten im Wahl- kampf stecken. Wanuri Kahiu ist eine der neuen starken Frauenstim- men aus Afrika. Mit ihrem erfrischenden und bunten Spielfilm landete sie beim Publikum am Filmfestival von Cannes ("Un certain regard") einen Hit, durchaus auch im musikalischen Sinn: Der Soundtrack stammt samt und sonders von angesagten Musikerinnen aus Kenia und Nairobi und erschien bei Mouthwatering Records - einem Schweizer Label. bs

Ab 31. Januar im Kino


VERBOTEN IN KENIA

In Kenia sind gemäss Strafgesetzbuch gleichgeschlechtliche Handlungen und sexuelle Aktivitäten ohne Penetration - schön umschrieben als "fleischliche Kenntnisse einer Person entgegen den Naturgesetzen" - verboten, und mit 14 Jahren Gefängnis strafbar. Das Strafgesetzbuch stammt aus dem Jahre 1930, als die britischen Kolonialherren das Musterstrafgesetz für alle Kolonien einführten, das auf dem Strafgesetzbuch von Queensland beruhte, das 1899 entworfen worden war. Die National Gay and Lesbian Human Rights Commission, eine Gruppe, die 2012 von sechs jungen Rechtsanwält*innen gegründet wurde, kämpft vor dem Höchsten Gerichtshof Kenias unter Bezug auf den Artikel 27 der Verfassung, die 2010 eingeführt wurde, gegen diese Artikel des Strafgesetzbuches. Jede Person ist gleich vor dem Recht und hat das Recht auf gleichen Schutz und gleichen Nutzen des Gesetzes. Im April 2018 wurde der Film "Rafiki" von der kenianischen Filmbehörde, die 1963 gegründet wurde und jeden Film auf seine Eignung, in Kenia aufgeführt zu werden, prüft, verboten: wegen des lesbischen Themas und vor allem, weil sich die Regisseurin Wanuri Kahiu weigerte, die dem Rat zu positiv erscheinenden Szenen her- auszuschneiden. Nachdem sie und die Creative Economy Working Group die Filmbehörde wegen Zensur und Verhinderung von Ein- kommen verklagten, hob Richterin Wilfrida Okwany vom Höchsten Gerichtshof Kenias das Urteil für sieben Tage auf. Dies, damit der Film für die Auswahl zur Entsendung zu den Oscars eingereicht werden konnte. In der Verfassung Kenias hält Artikel 33 unter "Ausdrucksfreiheit" fest, dass die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks gewährleistet sei. kts