Sehnsucht nach der verstreuten Familie

Hudas und Hasans Welt

Meine Frau und mein Sohn sind 2013 in die Schweiz geflüchtet. Ich konnte 2016 mit einem humanitären Visum einreisen. Mein Sohn wurde als Flüchtling anerkannt, meine Frau und ich wurden von der Schweiz vorläufig aufgenommen. Wir waren beide nicht mehr so jung. Meine Frau war bei der Einreise 59, ich 66 Jahre alt. Das Deutsch lernen war und ist sehr schwierig. Einfacher war es, das Leben und die Regeln in der Schweiz kennenzulernen. Wir sind dankbar, in Ruhe und Sicherheit leben zu können und bemühen uns, Kontakte zu Einheimischen zu haben. So besuche ich regelmässig den «contact» in Nussbaumen. Auch die arabische Gemeinschaft ist für uns wichtig, bedeutet sie doch ein Stück Erinnerung an unser Land. Wir treffen uns an Festen, tauschen uns aus, essen und hören Musik. Unsere Familie ist in ganz Europa verteilt: Zwei Söhne und eine Tochter wurden in Holland als Flüchtlinge anerkannt, ein Sohn ging nach Libyen. Die Kinder in Holland sind bereits eingebürgert. Wir würden sie gerne manchmal besuchen. Das geht leider nicht, da wir als vorläufig Aufgenommene nicht ins Ausland gehen dürfen. Um alles zu verarbeiten, schreibe ich Gedichte und Texte über unser Leben, über unsere alte Heimat, das neue Leben in der Schweiz, die Kriegspolitik, die die Heimat verwüstet hat, auch über die Sehnsucht nach unseren Enkeln und über die verstreute Familie. Mit unseren Kindern und deren Kindern zusammen sein, das fehlt uns.

Huda, 69 und Hasan, 72 aus Syrien wohnen in Neuenhof