Schloss mit Schaufenstern

Das Forum Schlossplatz thematisiert mit der aktuellen Gruppenausstellung «my home is my castle» das ambivalente Verhältnis zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit.

TEXT Tania Lienhard BILD Marianne Halter

Und weitere Versprechen.

"Am Anfang stand das Haus", sagt Lena Friedli, Co­-Ku­ratorin der Ausstellung "my home is my castle" im Forum Schlossplatz in Aarau zur Konzeption der aktuellen Ausstellung. Die Villa "Zum Schlossgarten", in der das Forum Schlossplatz untergebracht ist, gehörte reichen Industriellen und fungierte 1798 sogar kurz als "Bundeshaus". Heute befinden sich im Erdgeschoss die Ausstellungsräume, im ersten Stock sind Repräsentations- und Sitzungsräume der Stadt und im Dachgeschoss zwei Privatwohnungen. "Das Private und das Öffentliche mischen sich", so Friedli.

Die Idee für ihre erste Ausstellung in Aarau war geboren: "my home ist my castle" stellt Fragen nach der Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem sowie nach dem Privaten als Schutzraum. "Die Grundbedürfnisse nach Schutz und Sicherheit sind allgegenwärtig. Gerade während des Lockdowns haben viele Menschen ihre Türen verschlossen, ihr Privatleben jedoch mittels sozialer Medien nach aussen gezeigt. Umgekehrt haben sie via Internet das Aussen nach innen geholt. Die Ausstellung zeigt die ambivalente Kostbarkeit unseres Daheims." Veräusserlichte Intimität Friedli arbeitet mit Anna Leibbrandt, der Verantwortlichen für die städtische Kunstsammlung, zusammen. "Wir beziehen auch die Repräsentationsräume im ersten Stock in die Ausstellung ein. Diese Zimmer umgibt eine öffentliche Atmosphäre, sie sind bestückt mit Werken aus der Kunstsammlung der Stadt Aarau und bilden einen schönen Kontrast, etwa zu dem vom Szenographen Patrick Müller eingerichteten 'privaten Wohnzimmer' der Ausstellung", sagt Friedli.

In der "guten Stube", wie das Wohnzimmer im Erdgeschoss heisst, soll das Thema physisch spürbar sein. Man kann sich gemütlich hinsetzen, es gibt eine Lese­ und eine Multimedia-­Ecke. Zudem zieren speziell angefertigte Möbel aus Restholz den Raum. Die Besucher*innen haben bei einem Wettbewerb die Chance, diese Möbel zu gewinnen. Auch hier wieder der rote Faden: Öffentlich ausgestellte Möbel kommen in Privatbesitz. Die Ausstellung ist von unterschiedlichen Kunststilen geprägt. Nicht nur eigens angefertigte Möbel sind zu sehen, sondern auch eher klassische Werke aus der Aarauer Kunstsammlung oder zeitgenössische Videoinstallationen und vieles mehr.

Gleich sechs Künstler*innen oder Künstlerduos präsentieren ihre für das Forum Schlossplatz adaptierten oder neu angefertigten Arbeiten. So kreierte die Künstlerinnengruppe Boycotlettes eine Fahne, die an der Südfassade des Gebäudes hängt und mit "Intimité" beschriftet ist. Sichtbare Ambivalenz: Intimität findet normalerweise im Innern statt, hier wird sie nach aussen gekehrt. Aldo Mozzini baute für den Schlossgarten ein "Grottino" – eine Art Gastro­ betrieb im Tessin. Mit Grottino kann aber auch ein privater Raum gemeint sein, in dem gegessen und getrunken wird – auch hier das Spiel mit Öffentlichem und Privatem. Vor dieser kleinen Hütte steht eine von Mozzini gebaute Bank, auf die sich die Besucher*innen setzen können, um sich die Videoinstallation von Marianne Halter und Mario Marchisella anzusehen – ein perfektes Zusammenspiel auf allen Ebenen. Daneben stellen Olivia Wiederkehr, Marc Lee und Tobias Maurer ihre Arbeiten aus. Die Kunstwerke sind so vielseitig wie die Grenzziehung zwischen öffentlich und privat.

AARAU Forum Schlossplatz, bis 9. Januar

Bis zum 9. Januar finden zwölf verschiedene Events zur Ausstellung statt. Von Filmen über Hausführungen bis hin zu Konzerten ist alles dabei. Weitere Infos: www.forumschlossplatz.ch