Riskante Raumeroberungen

AUSSTELLUNG Kunst, die den Raum verändert und neu gestaltet: So funktioniert Roman Sondereggers kommende Ausstellung. Seine Werke sind keine Objekte – sie sind Erlebnisse.

TEXT Barbara Scherer BILD zvg

Beim Experimentieren im Atelier: Roman Sonderegger.

Ein Raum voller Kunst, nein - der Raum ist Kunst: Genau das erwartet die Besucher*innen an Roman Sondereggers neuer Ausstellung im Kunstraum Aarau. Mit seinen Werken will der gebürtige Vogelsanger zur Bewegung animieren und zum Erkunden auffordern.

So führt vom Eingang her eine lange trichterförmige Kartoninstallation durch den Raum. Wer dem schmaler werdenden Weg folgt, tritt am Ende sich selbst vor einem Spiegel entgegen. "Hier wird man auf sich selbst zurückgeworfen, und man ist ganz bei sich", erklärt Sonderegger. Unter dem Blick der eigenen Reflexion führt der Weg nach links oder rechts weiter. Die Besucher*innen sollen damit den Moment der Entscheidung erleben.

Im hinteren Teil stehen auf einem Tisch in Einmachgläsern konservierte Stofftiere: Die Betrachter*innen werden an diesem Punkt mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert. Im oberen Stock füllen zwei zusammengezurrte Skulpturen aus Schaltafeln und Backsteinen den ersten Raum aus. "Sie funktionieren aber autonom, ohne auf den Platz angewiesen zu sein", sagt der Künstler. Im gleichen Raum hängen zudem Wandreliefs aus Holz. Diese führen vom ersten in den zweiten Raum und sind zu Beginn noch sehr klein. Gegen Schluss werden sie aber immer grösser und nehmen stetig mehr Platz ein.

Im zweiten Raum angekommen, türmen sich vor den Betrachter*innen geschichtete Dachlatten in mehreren Skulpturen bis unter die Decke auf. "Diese Arbeit war sicherlich die grösste Herausforderung der Ausstellung, weil ich den Sprung von der autonomen Skulptur zur raumbezogenen Installation schaffen wollte", so Sonderegger.

Entworfen wurden alle Installationen im Atelier des Künstlers. Diese Arbeitsweise berge jedoch stets ein Risiko: "Ich weiss oft nicht, ob meine Arbeit vor Ort funktioniert", sagt Sonderegger. Doch genau diese Risikobereitschaft treibe ihn an: "Ich möchte jeweils in einen Ort eingreifen, ihn temporär überschreiben." So sollen die Betrachtenden den Raum neu erleben. Mit seiner Arbeit wolle er auch auf etwas aufmerksam machen oder auch ein architektonisches Detail beleuchten, verstärken und hinterfragen.


AARAU Kunstraum
Bis 30. Oktober