Raffinierte Klangwelten

Sarah Chaksad hat mit Songlines ein ganzes Orchester in einer Band vedichtet – ein Hörerlebnis in Aarau und Baden.

TEXT Beat Blaser BILD zvg

Sarah Chaksad führt mit Songlines in unerhörtes Land.

Meistens ist es ja so, dass vieles im Leben klein anfängt, um sich vielleicht zu etwas grösserem, wenn nicht Grossem zu entwickeln. Wir probieren aus, arbeiten weiter, bekommen Lust auf mehr, suchen neue Möglichkeiten, wagen Grösseres und wachsen mit den selbstgestellten Anforderungen.

Die Komponistin und Arrangeurin Sarah Chaksad ging einen anderen Weg. Sie hat schon am Anfang ihrer Karriere gross gedacht. Als Maturarbeit schrieb sie ein vielstimmiges Chorwerk, während des Musikstudiums komponierte sie Theatermusik und bald gründete sie ihr eigenes Jazz Orche­ stra. Die Partituren, die sie dafür schuf, eröffneten Klang­welten, wie man sie nicht jeden Tag hört, und sie selbst schärfte dabei ihren Sinn für weitgeschwungene Bögen, überraschungsreiche Klangfarben und raffinierte Instrumen­tenkombinationen, die das Vehikel Big Band neu klingen lassen.

Nun hätte ja ein nächster Schritt sein können, noch grösser zu denken, für wirklich grosse Orchester zu komponieren. Aber Sarah Chaksad ging den umgekehrten Weg, für ihr aktuelles Projekt "Songlines" hat sie quasi das grosse Orchester eingedampft auf ein Miniformat. Sie tat das nicht aus finanziellen Gründen, weil ein grosses Orchester bekannt­lich ein pekuniäres Himmelfahrtskommando ist, nein, die künstlerische Fragestellung, die Chaksad umtreibt, ist: Wie kann ich eine Klein­formation grösser klingen lassen?

Ihre Band "Songlines" besteht aus vier bis sieben Leuten. Sarah Chaksad selbst spielt Sopran-­ und Altsaxofon, eine zweite Stimme kommt von der Basler Sängerin Lisette Spinn­ler, die mit ihrer überaus flexiblen Stimme das Klangspektrum enorm weitet. Zur "Grossbe­setzung" gehört die norwegische Trompeterin Hildegunn Øiseth, die auch das Ziegenhorn, ein nordisches Folkloreinstrument, spielt, und der Bassklarinet­tist Pepe Auer. Am Piano agiert der virtuose Westschweizer Tastenlöwe Malcolm Braff und am Bass schliesslich Domi­nique Girod.

Und es zeigt sich: Sarah Chaksad ist in der Lage, ein paar wenige Instrumente farbig und gross klingen zu lassen. Dabei sind ihre Stücke zwar eingängig und in einem fast klassischen Sinn schön, allerdings lauern Fallstri­cke allenthalben; sie schafft es, unsere Hörerwartungen zu unterlaufen, und das, ohne dass wir es wirklich merken. Sarah Chaksad stammt übrigens aus Wohlen, sie ist ein Kulturexport in die weite Musikwelt, auf den wir durchaus ein bisschen stolz sein dürfen. Indem wir ihr und ihrer Musik genau zuhören!

AARAU Spaghetti Factory, Sa, 10. Dezember 15.30 Uhr
BADEN Isebähnli, Mo, 16. Januar 20.15 Uhr