Perlen des Horrorfilms

FILM Mit dem Brugggore erhält der Kanton Aargau ein neues Filmfestival. Das Programm ist allerdings nichts für schwache Nerven.

TEXT Philippe Neidhart BILD zvg

Vicious Fun (Cody Calahan, CAN 2020).

Ob Splatterfilme mit literweise Kunstblut, vor sich hin gammelnde Zombies oder Kreaturen wie aus einem Albtraum entsprungen – Horrorfilme wissen zu faszinieren. Für Liebhaber*innen dieses Genres war das vergangene Jahr jedoch alles andere als wünschenswert; Festivals wurden abgesagt, etliche Filmreleases verschoben. Und doch waren es genau jene Umstände, die zur Gründung des Brugggore Horror Movie Festival geführt haben.

Denn die Idee für das Festival kam den Organisator*innen, als das Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) pandemiebedingt nicht stattfinden konnte: "Wir wollten auf privater Basis etwas auf die Beine stellen und haben Kinos aus der Region angerufen", so Festivalleiter Michel Frutig. Beim Excelsior in Brugg stiessen sie auf offene Ohren, und kurz darauf sassen die Freunde zusammen im Kino.

Wenig später hatte Frutig einen Bandscheibenvorfall und war einen Monat krankgeschrieben. "Ich hatte viel Zeit, und so begann ich, am Konzept für das Festival zu arbeiten." Danach ging alles sehr schnell. Bald schon erhielten die Organisator*innen Zusagen für finanzielle Förderbeiträge aus dem Swisslos-Fond und Pro Argovia Kaktus, und das "Brugggore" war geboren.

Frischfleisch und Retrospektiven

Nun erhält die Deutschschweiz also endlich ihr erstes Horrorfilmfestival. Zwar gab es bereits in der Vergangenheit einige Versuche, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen, doch nichts konnte sich halten. "Des- halb setzen wir beim Brugggore von Beginn an auf eine regionale Verankerung und eine Strategie, die auf Langfristigkeit ausgelegt ist", erklärt Frutig.

Im ersten Jahr bedeutet dies ein kleines, handverlesenes Programm mit 18 Filmen in drei Kategorien: Unter dem Label "Fresh from the Grinder" werden aktuelle Werke gezeigt, die noch nicht in den Schweizer Kinos zu sehen waren – dies ist zugleich der Hauptfokus des Festivals. So dürfen sich die geneigten Zuschauer*innen mit "Benny Loves You" (Karl Holt, EN 2019) auf Plüschtierhorror freuen, oder mit "Fried Barry" (Ryan Kruger, ZA 2020) einen witzig-schrägen Trip durch das nächtliche Kapstadt erleben.

Liebhaber*innen von Kultstreifen aus den Glanzzeiten des Horrorkinos in den 80er-Jahren kommen derweil in der Kategorie "Rotten Meat" auf ihre Kosten und in einem dritten Block werden unter dem Titel "Gutted Millennials" Filmen aus den 2000er-Jahren gezeigt: "Diese gehören mittlerweile auch schon zu den Klassikern, und das jüngere Publikum erhält nun die Möglichkeit, die Filme auf Grossleinwand zu sehen", so Frutig. Dabei handelt es sich in erster Linie um Werke, die der New French Extremity zugerechnet werden können.

Alle Filme flimmern dabei in Originalsprache über die Leinwand – mit deutschen Untertiteln. Diese mussten in vielen Fällen von den Organisator*innen selbst erstellt werden; ein Aufwand, der sich für Frutig jedoch lohnt: "Wir wollen von Beginn weg ein qualitativ hochwertiges Kinoerlebnis bieten." Dazu gehört natürlich auch die Auswahl der zu präsentierenden visuellen Kost. Eine zeitintensive Arbeit, wie Frutig erzählt: "Aufgrund der Pandemie erschienen viele Filme direkt auf BlueRay oder als Stream – alleine der Prozess, etwas Neues zu finden, gestaltete sich deshalb in diesem Jahr sehr schwierig."

Bei den älteren Produktionen lag die Problematik hingegen bei den Lizenzrechten, um die Filme im Kino zeigen zu dürfen: "Bei vielen Filmen existieren die Produktionsfirmen längst nicht mehr – die ganze Situation gestaltet sich sehr undurchsichtig." Doch der Aufwand hat sich gelohnt: "Ich bin überaus zufrieden mit dem Programm – es sind alles Wunschfilme von uns." Klingt gut, oder? Doch gilt es, sich nun zu beeilen - denn aufgrund der aktuellen Lage sind die Tickets auf 50 Dreitagepässe limitiert.

BRUGG Excelsior
Do, 22., bis Sa, 24. April
www.brugggore.ch


5 × FESTIVAL- POSTER ZU GEWINNEN

Sie lieben Horrorfilme und mögen keine kahlen Wände? Das AAKU verlost fünf Festivalposter des Brugggore. Einfach eine E-Mail bis zum 15. April mit dem Betreff "Brugggore" an redaktionnoSpam@aaku.noSpamch. Es entscheidet das Zufallsprinzip.