«Nichts und doch alles»

AUSSTELLUNG Der in Schneisingen aufgewachsene Künstler Jodok Wehrli ist mit seinen Found-Footage-Aneignungen der diesjährige Gast der «Auswahl 20» im Aargauer Kunsthaus, an der das hiesige Kunstschaffen präsentiert wird.

TEXT Gianna Rovere BILD zvg

«Vorführen der Inhaltslosigkeit ist meine Absicht»: Jodok Wehrli ist Gast an der diesjährigen Auswahl des Aargauer Kunsthauses.

"Es gibt sehr viele gute Gründe, etwas ganz Neues zu machen. Aber für meine künstlerische Praxis ist es im Moment spannender, schon Bestehendes zu nehmen und dessen Assoziationen zu ändern", erklärt der Gast der "Auswahl 20" seinen aktuellen Schaffensansatz. Fragen nach dem Wert der Reproduktion von Konzepten und Kunstschemata sowie die Zurückhaltung in Bezug auf Eigenkreation und Neuschaffungen beschäftigen den 26-Jährigen Jodok Wehrli.

Seine Videocollage "Surplus Values" bekam an der letztjährigen Auswahl den Preis der Jury und kürte ihn so als diesjährigen Gast. Was damals Found Footage aus der Werbelandschaft war, ist in der neu entstandenen Arbeit Stockfotografie und heisst "A pretty shitty Poem". Die Arbeit wird raumfüllend als 5-Kanal-Videoinstallation präsentiert: Jeder Kanal zeigt jeweils ein Stockfoto-Bild, das sich inhaltlich mit den anderen deckt. Fünfmal einen Wald, fünfmal einen Frachter, fünfmal einen Strand und so weiter.

Die Bilder zeigen Konzepte für Bilder inForm von Bildern - an sich schon paradox, findet der Künstler: "Nichts und doch alles". Über die zufällig wirkenden, aber gezielt komponierten Bildprojektionen legen sich als zweite und dritte Ebene eine monotone Geräuschkulisse und ein vom Künstler geschriebenes Gedicht. Die Besucher*innen lauschen einer computergenerierten Stimme, die einen Text aus aneinandergereihten Satzfragmenten vorträgt, der keinem direkten Erzählstrang folgt und scheinbar ziellos über die Existenz sinniert.

Das Gedicht ist in dieser referenzbasierten Arbeit auch ein Hinweisfür die Besucher*innen in die für den Künstler intendierte Deutungsrichtung: "Meine Arbeit hat dann funktioniert, wenn die Leute merken, dass die vermeintlich grossen Worte und Bilder eigentlich gar nichts sagen und auch genau dieses Vorführen der Inhaltslosigkeit meine Absicht ist". Eine ästhetische Hülle mit einem zynischen Kern, die sich von den Betrachter*innen zu knacken lohnt.

AARAU Aargauer Kunsthaus,
Offenes Haus:Sa, 14. November, ab 17 Uhr
Bis 24. Januar