Keine Pose zum Preis der eigenen Haltung

Musikalische Demokratie auf Hoch­touren: Die Badener Band Al Pride tauft ihr neues Album im Royal Baden.

TEXT Donat Kaufmann BILD Andrin Fretz

Al Pride präsentieren ihre demokratisch entstandenen Songs.

Ein kurzes Zaudern, ein Moment des Innehaltens, dann ist die Gewissheit da: Ich bin an dich gebunden, ich bedinge dich, und wenn du untergehst, dann gehe ich mit dir. Die Bläser setzen zur Fanfare an, Bass und Schlagzeug stehen noch näher zusammen, die Stimmen verlieren an Schwerkraft, aber die Stimmung gewinnt an Dringlichkeit.

"If You Go Down" entfaltet jetzt seine ganze epische Wirkung. Der Song ist ein Dialog mit dem versehrten Planeten über unsere Abhängigkeit von ihm, und die Schwierigkeit, diese anzuerkennen. Und er ist ein Popsong, wie er typisch ist für die Badener Band Al Pride: Die eine Hand ausgestreckt zur grossen Geste, die andere Hand auf dem Herz. Posen sind erlaubt, aber nie zum Preis der eigenen Haltung.

Schritte zurück, nach vorn

"If You Go Down" ist die letzte Vorankündigung ihres neuen Albums "Sweet Roller", das Ende August erscheint und am 11. September im Royal Baden getauft wird. Bereits im April erschien die EP "Spruce", deren Songs auch Teil des Albums sind. Und eigentlich wären Al Pride zu diesem Zeitpunkt bereits einmal quer durch die Schweiz und Deutschland getourt mit den Songs - aber eben, der Virus.

Doch Al Pride ist nicht die Band, die sich davon die Stimmung verderben lässt. In ihrer elfjährigen Geschichte hat sie viele Veränderungen durchgemacht, personelle wie musikalische. Die kleinen Schritte zurück auf dem Weg nach vorne seien quasi integraler Bestandteil der "Idee" Al Pride, sagt Sänger Nico Schulthess. Nachzeichnen lässt sich das etwa am Songwritingprozess, den die mittlerweile achtköpfige Band ab 2016 radikal demokratisiert und damit geöffnet hat für unterschiedlichste Perspektiven.

Damals stiessen mit den Bläsern nochmals neue Instrumente und Musiker zur Band. Vergleicht man die Songs des 2016 erschienenen Albums "Hallavara" mit der neuen EP "Spruce", wird deutlich, wie dieser Demokratisierungsprozess auf die Musik eingewirkt hat. Sprang die dreiköpfige Bläsersektion auf Hallavara stellenweise noch aus dem Mix heraus, sind nun alle Instrumente eng verwoben zu einem satten Klangbild. Sie haben zu einem Konsens gefunden.

Ob es denn nicht anstrengend sei, acht unterschiedliche Stimmen zu einer verständlichen Sprache zu verdichten? "Es braucht natürlich viel Ausdauer und Kritikfähigkeit", sagt Schulthess. Aber: "Wenn es dann klappt und acht Personen kompromisslos in eine Richtung ziehen, wird es unaufhaltsam".


BADEN Royal, So, 27. September, 20.30 Uhr