Kanton der kleinen Festivals

Während der wärmeren Monate des Jahres tummeln sich die Aargauer*innen an den hiesigen Festivals. Insbesondere in den Disziplinen Musik, Theater und Film wird ein breites Spektrum an Formen und Inhalten geboten. Mit dem Festivalforum beherbergt der Aargau zudem eine Organisation, die sich für die Vernetzung der Festivals einsetzt.

 

TEXT Lukas Renckly

Über 30 Festivals finden jährlich in den Sommermonaten bis Anfang Herbst im Aargau statt: Figura Theaterfestival in Baden, Festival des Arcs in Ehrendingen, Openeye Festival in Oberlunkhofen, Open Air Wettingen, Fantoche Filmfestival Baden, Jugend Theater Festival Schweiz in Aarau und viele andere mehr - sie alle stehen für ein auserlesenes Programm mit Ecken und Kanten. Betrieblich sind sie sehr unterschiedlich aufgestellt: Das Figura findet biennal statt, das Fantoche gehört zu den sogenannten Leuchttürmen des Kantons, das Open Air Wettingen zeigt ein Bandprogramm im Kontext eines grösseren Volksfests, und in der Alten Reithalle in Aarau wird dieses Jahr zum fünften Mal das Jugend Theater Festival Schweiz veranstaltet. Das Festival des Arcs existiert hingegen schon seit 19 und das Openeye Festival seit 24 Jahren; über Generationen hinweg entwickelten sie den Festivalbetrieb ehrenamtlich weiter.

Ein auserlesenes Programm mit Ecken und Kanten

Bis ein Festival seine Pforten öffnet, gibt es zahlreiche Hürden zu bewältigen. Gerade in Zeiten des Abbaus von staatlichen Leistungen ist es förderlich, mit kommunalen und kantonalen Stellen eng zusammenzuarbeiten. Aufgrund der Kulturförderung des Aargauer Kuratoriums und des Swiss- los-Fonds dürfen die Festivals auf die Unterstützung durch den Kanton hoffen. Die Gemeinden hingegen fördern das kulturelle Schaffen oftmals nur mit geringen Beiträgen oder überhaupt nicht.

Gerade für die Festivals im Musikbereich gilt es, mit Behörden partnerschaftlich zusammenzuarbeiten und Anwohner*innen über den Betrieb zu informieren und sie bei der Umsetzung miteinzubeziehen. Für kurze Einsätze von freiwilligen Helfer*innen gibt es zumeist genügend interessierte Personen. Schwierig ist es jedoch, das ehrenamtliche Engagement langfristig zu sichern.

Open-Air-Szene im Vergleich

Die Schweiz ist im europäischen Vergleich das Land mit der höchsten Festivaldichte. Die Dichte der Musik-Open-Airs im Aargau ist gemäss einer Erhebung aus dem Jahr 2001 im kantonalen Vergleich ebenfalls am höchsten. Zwar existieren inzwischen einige der Open Airs nicht mehr, es wurden jedoch neue gegründet, etwa das Open Air im Grüene in Bergdietikon, kleinLaut Festival in Riniken bei Brugg, Sicht- feld-Open-Air in Gipf-Oberfrick oder Zamba Loca in Wohlen. Die Anzahl Open Airs blieb über die Jahre hinweg konstant. Gemeinsam ist den Festivalveranstalter*innen, dass sie in ihrer Region etwas Besonderes und Einmaliges auf die Beine stellen möchten. Man wolle für gute Musik nicht an grosse Festivals oder in die Zentren fahren müssen, sondern vor Ort ein entsprechendes Angebot haben. Sie scheuen auch nicht, nebst ihren alltäglichen Verpflichtungen alles in die Kultur zu investieren.

Festivalforum Aargau als Netzwerk für nicht-kommerzielle Festivals

Um sich gemeinsam den Herausforderungen zu stellen, die sich bei der Organisation eines Festivals ergeben, gründeten im Jahr 2016 eine Handvoll Open Airs das Festivalforum Aargau (www.festivalforum.ch). Das Forum ist ein Netzwerk für nichtkommerziell ausgerichtete Festivals jeglicher Disziplinen. Es findet zweimal jährlich statt, um den Erfahrungsaustausch, die Wissensvermittlung und Kooperationen zwischen den Festivals zu gewährleisten und die verschiedenen Aktivitäten der Mitglieder koordinatorisch zu unterstützen. Der Fokus liegt auf der Wissensvermittlung, also bei Fragen zur Kommunikation, Mittelbeschaffung, Sicherheitsaspekten, zu ökologischem Handeln oder kommunalen und kantonalen Rahmenbedingungen. Bei seiner Gründung zählte das Netzwerk sieben Festivals, inzwischen sind es bereits elf.

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Von Lukas Renckly. Er koordiniert das Festivalforum Aargau, ist Mitglied beim Organisationskomitee des Open Airs Zamba Loca und macht PR für das Jugend Theater Festival Schweiz. Nebst seiner hauptberuflichen Tätigkeit bei der Abteilung Kultur des Kantons Aargau ist er freischaffend als Kulturmanager tätig.