Impressionismus, teilentrahmt

TEXT Michael Hunziker BILD zvg

Pathosformel dekonstruieren: Die Langmatt nimmt Bilder aus ihrem Rahmen.

Aus dem Rahmen gefallen – als das galten Renoirs Bilder zur Zeit ihrer Entstehung wohl, etwas verkürzt ausgedrückt. Erst allmählich und durch Sammler wie die Browns etablierte sich sein Werk (posthum) im Kunstdiskurs und wurde auf dem Kunstmarkt nachgefragt. Das Museum Langmatt zeigt nun, in einer für ein Kunstmuseum ungewohnten Geste, die Bilder des grossen Künstlers in der Nacktheit, wie er sie nach ihrer Vollendung von der Staffelei genommen und – wohl vorerst – an die Wand gestellt hatte: ohne Rahmen.

Die Idee hinter diesem Coup geht auf ein Schlüsselerlebnis zurück. Als Markus Stegmann, Direktor der Langmatt und Assistenzkuratorin Daniela Minneboo ein Renoir-Bild auspackten, das gerade von einer Japanreise zurückkam, bemerkten sie am Boden der innersten Hülle braunes Pulver – im barocken Bilderrahmen steckte ein Holzwurm. Ein Fall für die Restaurierung. "Als wir das Bild so ohne Rahmen sahen, wirkte es auf uns verletzlich und gleichzeitig geerdet. Der ganze Nimbus hatte sich aufgelöst", erzählt Stegmann.

Da die Rahmen auch beim Publikum stets viele Fragen auslösten, entschied sich die Langmatt, Renoirs Werke in anderen und eben auch ohne Rahmen zu zeigen. "Als Museum ist es unsere Aufgabe, Wahrnehmungsgewohnheiten zu hinterfragen", sagt Stegmann, "und die gehen erstaunlicherweise stark vom Rahmen aus. Nimmt man noch die Marktpreise hinzu, die musealen Räume, in denen sie gezeigt werden, so entsteht ein pathetischer Cocktail."

Die Übung in Dekonstruktion, zu der die Langmatt ihre Besucher*innen nun einlädt, ermöglicht neben einer gewissen Entmystifizierung auch eine authentische Begegnung auf Augenhöhe mit den Werken. Aus der Perspektive, wie sie Renoir gesehen hatte, als er sie schuf.

BADEN Langmatt

Sa, 5. März, 17 Uhr (Vernissage) bis So, 4. September