«Lila» im Grünen

Das erste queere Open Air der Schweiz findet im aargauischen Wittnau statt.

TEXT Benjamin von Wyl

Das "Lila" ist ein Open Air in Wittnau, einer kleinen Aargauer Gemeinde. So weit so üblich: Die Schweiz hat eine der höchsten Festivaldichten Europas und der Aargau viele Wiesen, weshalb der Kulturkanton da tatsächlich kultureller Vorreiter ist. 

Zelebrieren von Antidiskriminierung

Das "Lila" ist ein queeres Festival bzw. ein "falschsexuelles". Das heisst kon­kret: Das "Lila" ist ein Festival von und für junge Menschen aller Geschlechtsidentitäten und sexueller Orientierungen. Ein Festival, an dem Künstler*innen und Publikum ganz natürlich beim Sprechen kurz innehalten, um dem Stern* Ausdruck zu geben: Künstler - Pause, Pause - innen.

Ein Festival, an dem jede Diskriminierung und spezifisch jede Diskriminierung der sexuellen Ausrichtung und Identität nicht nur verpönt, sondern aktiv bekämpft wird. So rappt etwa Sookee, eine der Headliner*innen, in "Queere Tiere": "Es gibt doch mehr als zwei Geschlechter / Wirf' ein' Blick in die Natur und du weisst, wer Recht hat / Männchen vögeln Männchen, Weibchen lieben Weibchen." Die deutsche Rapperin, deren Lieblingsfarbe auch nicht ganz zufällig Lila ist, erreicht über Youtube und Spotify Hunderttausende.

Neben ihr spielen weitere internationale Acts wie Asbjørn, der tanzbaren Electro mit gefühlvollen Lyrics verbindet, oder die Zürcher Dragqueen Mona Gamie, die englische Pophits auf Schweizerdeutsch interpretiert - "Das Meitli, das brennt!"

Milchjugend ist Organisatorin

Organisiert wird das "Lila" von der Milchjugend, der jungen, queeren Bewegung der Schweiz. Sie betreibt etwa die "Milchbar" (jeden Dienstag im "Werkk" in Baden), baut Schulgruppen für junge LGBTs mit auf und veröffentlicht das Magazin "Milchbüechli - Zeitschrift für die falschsexuelle Jugend".

Zuspruch von Gemeindepräsident aus Wittnau

Was hält der Wittnauer Gemeindepräsident Werner Keller von alldem? "Als wir überzeugt waren, dass die Milchjugend den Anlass mit der erforderlichen Seriosität organisiert, sprach nichts gegen das 'Lila'."

Auch Nina Hüsser, Projektleiterin des "Lila", freut sich auf den Austausch: "Die Gemeinde war uns gegenüber von Anfang an ausge­sprochen offen. Mit einem Apéro im Vorfeld wollen wir zusätzlich auf die Einwohner*innen zugehen. Ich freue mich auf diesen Austausch."

Werner Keller hat mir bestätigt, dass Nina Hüssers Hoffnung auf innerhelvetischen Kulturaustausch nicht ganz unbegründet ist: "Einige Wittnauer sagten bereits, dass sie ans 'Lila' gehen."

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WITTNAU Lila. Queer Youth Festival 8. - 10. September.

www.milchjugend.ch/lila

Highlights: Asbjørn (DK), Le1f (New York), Sookee (Berlin), Laskaar (Zürich) uvm.